Die Republik Chile.
es, daß in dem Lande, das die ganze Erde mit dem besten
landwirtschaftlichen Düngungsmittel, dem Salpeter, versorgt,
die Landwirte über Mangel an Düngungsmitteln klagen. Das
rührt daher, daß die Produzenten den Salpeter in kleinen
Mengen für den Landesbedarf nicht abgeben wollen, und nur
mit Mühe ist es gelungen, etwa 30000 Quintales (1 Qu.
= 46 kg) von den 32 Millionen der Ausfuhr für den Landesbedarf
zurückzuhalten 7).
Zu den Verbesserungen bestehender Produktionen gehört
die beginnende größere Nachhaltigkeit in dem Betrieb von
Bergwerken aller Art, an denen Chile sehr reich ist, besonders
Kupfer, Kohle und Eisen. An den letzten beiden Hauptstoffen
für die Entwickelung der Fabrikindustrie ist in Chile
kein Mangel, und durch ihre Ausbeutung soll die Fabrikindustrie
unabhängig vom’ Auslande gemacht werden.
Neben der Ausnützung der natürlichen Hilfsquellen
kann man sehen, daß. Chile noch andere Hilfsmittel den
auf die Sicherstellung seiner wirtschaftlichen Zukunft ’gerichteten
Bestrebungen dienstbar macht. In der richtigen Erkenntnis,
daß für die Einnahmen aus. dem Salpeter ein vollwertiger
Ersatz in den Erträgen der natürlichen Erzeugnisse
des Landes nicht gewonnen werden kann, griff man, dem
Beispiel anderer Länder folgend, dazu, eigene und besonders
auch ausländische Erzeugnisse umzusetzen, diesen Umsatz
durch eigene Verkehrsmittel zu besorgen und endlich nach
Möglichkeit die Gegenstände des Umsatzes selbst zu erzeugen,
mit anderen Worten Handel, Schiffahrt und Industrie ein-Zzurichten.
Chile liegt, wie schon beschrieben, für den Handel
nicht besonders günstig, und es wird wenigstens vorerst auf
die Westseite des südamerikanischen Kontinents beschränkt
bleiben, da es trotz der im Bau befindlichen und geplanten
transandinischen Bahnen auf der Ostseite die. europäische
Einfuhr nicht leicht verdrängen kann. Aber wenn es Chile
gelingt, das Land zu einem Stapelplatz des Mandels des
westlichen Südamerika zu machen, wozu die Anfänge schon
vorhanden sind, so läge darin schon die Aussicht für eine
wirtschaftliche Zukunft und die Möglichkeit, dem Lande die
durch das Erlöschen des Salpeterhandels verloreı: gehenden
Summen auf anderem Wege wieder zuzuführen. Neben diesem
Ausfuhr- oder Umschlagshandel blüht in Chile eir sehr leb-')
Bericht des K. u. K. Österr.-Ungar. Kons. in Iquique‘ über
das Jahr 1905.
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