Ethnologische Verhältnisse.
Ordnung, für Arbeit und für staatliche Zusammengehörigkeit
mitbringt, so verfügen diese Länder heute schon über ein
Menschenmaterial, das zur Bewältigung größerer Kulturaufgaben
und für die Erweiterung einer in kräftigen Anfängen
schon vorhandenen Fabrikindustrie die nötigen
Massenkräfte liefert, den tropischen Ländern aber noch auf
unabsehbare Zeit hinaus abgehen wird. Da nebenbei die
Masseneinwanderung diese Staaten meidet, so ist überhaupt
nicht zu sagen, auf welches Menschenmaterial eine Fabrikindustrie
zur Gewinnung von Arbeitern sich stützen soll.
Aus diesen kurzen Andeutungen dürfte hervorgehen, wie
sehr die Gründung einer nationalen Industrie in überseeischen
Ländern von der Entwickelung der Bevölkerung abhängig ist,
indem eben die Fabrikindustrie als eine dem Wesen überseeischer
Völker zunächst fremde Einrichtung nur da gedeihen
kann, wo ihre bestimmt gegebenen Erfordernisse
durch die körperlichen, geistigen und moralischen Eigenschaften
der betr. Bevölkerung oder wenigstens durch deren
Umbildung und Erziehung zur Anpassung an diese Erfordernisse
erfüllt werden.
Für eine Untersuchung der Entwickelung der Fabrikindustrie
im lateinischen Amerika möchte es fast überflüssig
erscheinen, Betrachtungen im Sinne vorstehender Andeutungen
anzustellen, allein wenn man die Gründe des heutigen Zu-Standes
erkennen und sich eine Ansicht darüber bilden will,
wie in der Zukunft der weitere Verlauf der Dinge sich gestalten
könnte, ist eine Würdigung der Bevölkerungsverhältnisse
nicht zu umgehen. . Man wird sich darüber wohl am
besten klar, wenn man sich vergegenwärtigt, welch regelmäßigen,
folgerichtigen Entwickelungsgang die Bevölkerung
Europas durchgemacht hat, bis sie den Anforderungen des
modernen wirtschaftlichen und industriellen Lebens gerecht
werden konnte, das sich seinerseits auf die festgefügten,
von einer zwar in Klassen gegliederten, aber in dieser Abstufung
einheitlichen Bevölkerung getragenen Staatswesen
stützt. Auf der anderen Seite nun die lateinisch-amerikanischen
Republiken mit ihrem vorstehend geschilderten Bevölkerungsgemisch,
dessen am niedrigsten stehenden Teile kulturell
kaum die Höhe unserer germanischen Vorfahren. erreicht
haben. Dazu noch die außerordentliche Dünne der Bevölkerung,
die ein Haupthindernis für die Ausbreituug der
Kultur ist. Und solche rückständige Staatengebilde wollen
alle notwendigen Stufen der wirtschaftlichen Entwickelung
überspringen, um sofort auf der höchsten, der Fabrik-2-
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