Wirtschaftliche: Entwickelung.
mußten für die spanischen Einfuhrwaren hohe Zölle bezahlen
und die Gouverneure hatten das. Recht der „Repartimientos“,
d. h. der Warenverteilung, indem sie. jedem Dorfe. eine ge-
wisse Menge von Waren zusandten und dafür einen beliebigen
Preis festsetzten, der mit Gewalt von der Gesamtheit der
Ortsbewohner eingetrieben wurde. Diese Warenverteilung
erfolgte ohne jede Rücksicht auf das Bedürfnis. ,
| Wenn also. aus kolonialpolitischen Gründen ein Ge-
werbe nicht entstehen konnte, das von volkwirtschaftlicher
Bedeutung und kapitalbildender Kraft durch die Vermittelung
des Handels hätte werden können, so bedurfte. ja dieser auch
der gewerblichen Erzeugnisse nicht, da er ausschließlich auf
der Ausfuhr von Roherzeugnissen, Genußmitteln wie Kaffee,
Kakao, Tabak und von Edelmetallen bestand, die mühelos
herzustellen oder zu erlangen waren und hohen Gewinn
abwarfen.
SC Die Begründung der selbständigen Staaten brachte einige
Anderung. Die Versorgung der amerikanischen Kolonien
mit gewerblichen Gebrauchsgegenständen war bisher von
den Mutterländern in eifersüchtiger Wahrung ihrer mono-
polistischen Vorrechte besorgt worden, wobei die europä-
ischen Händler die Preise im großen und ganzen beliebig
bestimmen konnten. Die selbständigen Länder brauchten
natürlich derartige Zwangszustände nicht weiter fortzusetzen;
sie bezogen ihren gewerblichen Bedarf nach freier Wahl und
gingen auch teilweise selbst zur Erzeugung der notwendigsten
Gebrauchsgegenstände über, um die Kosten zu sparen. / Be-
sonders lehrreich ist für die Betrachtung dieser Entwickelung
geschlossene Jestfitenstaat Paraguay, der vor Ausbruch des der
ab Krieges mit Argentinien, Brasilien und Uruguay im Jahre 1865
auf industriellem und gewerblichem Gebiet an der Spitze der
lateinisch-amerikanischen Staaten stand. Und auch heute
wieder, nachdem er sich von der vollständigen wirtschaft-
lichen. Vernichtung durch diesen Krieg erholt hat,. scheint er,
abgesehen von Mexiko, wiederum den folgerichtigsten Gang
seiner. wirtschaftlichen Entwickelung einzuschlagen, indem er
durch Förderung von Ackerbau und Gewerbe die für den
Übergang zur Großindustrie nötigen Kapitalien. aus eigener
Kraft bildet und sich damit viel unabhängiger vom Auslande
zu machen sucht als die anderen Staaten des Kontinents.
In den übrigen lateinischen Ländern finden sich viele sog.
industrielle Betriebe, die ihrem ganzen Wesen und Ausdeh-
nung nach sich in nichts von dem unterscheiden, was wir. in
Europa Gewerbe nennen. | Ein eigentliches Gewerbe ‚aber
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