Full text : Sozialismus und Regierung

I  Mac  Donald,  Sozialismus

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I.  DER  STAAT
numiiniiiiimmiiiiiimiiiiiiiiiimiimiiiiiimiiiinmiimiTiiiuiiiiiiiiiirn
Der  heutige,  national  abgegrenzte  Staat,  der  sich  in  seinem  Landheer
und  seiner  Marine  mit  höchster  Dramatik  ausprägt,  ist  wahrscheinlich
zum  Vergehen  verurteilt.  Ein  allgemeines,  ein  Menschheitsparlament
wird  vielleicht  einst  berufen  sein,  die  vereinigten  Staaten  der  Welt
zu  vertreten.  Ja  selbst  der  Begriff  Regierung  als  eine  Zwangsgewalt
dürfte  dem  Menschengeiste  fremd  geworden  sein,  wenn  für  unsere
entfernte  Nachkommenschaft  die  Glückseligkeit  die  allgemeine  Lebensregel ­
  geworden  sein  wird  und  sich  die  sittlichen  Ideen  der  Propheten
in  den  landläufigen  Gewohnheiten  des  Volkes  verwirklicht  haben
werden.  Aber  diese  Vision  vom  Neuen  Jerusalem  haben  wir  nur,
wenn  wir  vom  „Geiste  ergriffen“  werden.  Das  uns  gewordene  Erbe
ist  Patmos  —  mit  seinem  Groll,  seiner  Politik  und  seinen  Problemen.
Gegenwärtig  ist  die  Menschheit  noch  nach  Farbe,  Kultur,  Rasse  und
Nationalität  zerklüftet.  Aus  ihren  jetzigen  Unvollkommenheiten  muß
sie  sich  im  Fortschritt  der  Zeit  zum  Reifegrad  erheben,  und  die  Aufgabe ­
  des  Gesellschaftsreformators,  der  Erfolge  von  dauernder  Wirkung ­
  erstrebt,  besteht  darin,  daß  sich  seine  verbessernde  Tätigkeit
zuerst  auf  den  empirisch  gegebenen  Stoff  richtet.  Nur  dann  sind
Ideale  wertvoll,  wenn  sie  dem  praktischen  Zwecke  der  Neugestaltung
der  bestehenden  Dinge  und  Verhältnisse  dienen.
Die  Politik  des  Sozialismus  muß  sich  deshalb  an  der  Gegenwartswelt
orientieren.  Die  Gesellschaft  ist  noch  nicht  ein  einheitliches  Ganze.  Sie
ist  eine  ordnungslose  Masse  einander  widerstreitender  Interessen  und
sich  befehdender  Persönlichkeiten,  die  vom  Zwang  und  vom  bürgerlichen ­
  Gesetz  gehemmt,  geordnet  und  beaufsichtigt  werden  müssen.
Sind  diese  regulierenden  Mittel  nach  einem  weisen  Plane  eingerichtet,
so  müssen  sie  mit  den  sozialen  Gepflogenheiten  und  sittlichen  Anschauungen ­
  Zusammenwirken  und  sie  stärken.  Der  gesamte  Apparat
der  rechtlichen  und  moralischen  Zwangsgewalten  muß  von  einem  einheitlichen ­
  Geiste  getragen  werden,  wenn  das  Ergebnis  nicht  Verwirrung ­
  sein  soll.  Der  bürgerliche  Staat  kann  ebensowenig  ungestraft  eine
Ungerechtigkeit  begehen,  wie  der  Einzelne.  Wer  behauptet,  daß  nur
dann  vollkommene  gesellschaftliche  Beziehungen  geschaffen  werden
            
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