Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

206 W . Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
deckungswirtschaften gehört, so wird sie damit in ihrer Eigenart 
viel zu wenig anschaulich geschildert, als daß der Historiker sJich 
auf solche Definitionen stützen könnte. Der mittelalterliche 
Gewerbetreibende will nicht bloß seinen Bedarf decken, sondern 
ist von Erwerbssinn auch erfüllt. Ein Verlegenheitswort ist der 
Ausdruck Übergangswirtschaft. Wenn Sombart ferner die 
Stadtwirtschaft als wichtigsten Typus der Tauschwirtschaft 
bezeichnet, so bietet er damit zunächst nur einen zu weiten Be- 
griff. Überdies aber spricht er auf diese Weise doch bloß den- 
selben Gedanken aus, den Bücher mit dem Wort Kunden- 
produktion verbindet, nur in weniger zutreffender Formulierung. 
Und alles, was er gegen diesen einwendet, läßt sich daher auch 
gegen ihn selbst geltend machen: Fälle der für das Mittelalter 
charakteristischen Tausch- und Bedarfsdeckungswirtschaft können 
in der Gegenwart ebenfalls auftauchen. Sombart will ja nun 
freilich seine Wirtsschaftsstufen nicht als rein historische angesehen 
wissen!). Dann darf er sie jedoch überhaupt nicht mit denen 
Büchers in Parallele stellen. 
So sehr wir also mit Sombart darin übereinstimmen, daß 
die Kundenproduktion noch über das Mittelalter hinausreicht, 
so können wir doch nicht finden, daß seine Formeln. vor den 
Bücherschen den Vorzug verdienen. Wir gehen deshalb von der 
leßteren als einem heuristischen Mittel aus, wenn wir uns im 
folgenden über die Natur des mittelalterlichen Verkehrs zurorien- 
tieren und damit festzustellen suchen, wie weit die Idee der 
geschlossenen Stadtwirtschaft verwirklicht war. 
Bücher nimmt eine sehr konsequente?) Verwirklichung der 
Idee an. S. 98: „Das System des direkten Austausches findet 
1) Er, welcher das Maß der Vergesellschaftung zum Einteilungs- 
prinzip der Virtschaftsstufen macht (S. 391), gibt ~ übrigens Bücher, 
Arbeit und Rhythmus, 2. Aufl., S. 370 ff., gegenüber – zu, daß die 
gesellschaftlichen Betriebe bei den alten Ägyptern, aber auch bei vielen 
Naturvölkern eine verhältnismäßig höhere Rolle gespielt haben als 
später. 
2) Umgekehrt Eulenburg, Z. f. Soz.- u. W. G. 1, 300 f. (im An- 
schluß an Pöhlmann): „Der Mangel an Stetigkeit, das Schwanken
	        
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