Ringelblume
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Rohr
hauptsächlich aus Glyzeriden der Stearin- und
Palmitinsäure und hat in der Regel einen Erstar
rungspunkt über 50 0 . Verfälschungen durch Zu
sätze pflanzlicher Öle (Baumwollsamenöl) sind
auf analytischem Wege, Zusätze von Hammeltalg
nicht immer mit Sicherheit nachzuweisen. Der
Verkauf von Preßtalg als Talg schlechthin zu
Speisezwecken ist unzulässig.
Ringelblume (Lockenblume, lat Flores ca-
lendulae, frz. Fleurs de souci, engl. Ring flowers).
Die getrockneten Blüten der bekannten südeuro
päischen, in Gärten häufig verkommenden Kom
posite Calendula officinalis, bilden einen
Gegenstand des Drogenhandels, werden aber
kaum noch medizinisch verwandt. Nur der
Farbe wegen setzt man die ausgezupften, rasch
getrockneten zungenförmigen Randblümchen bis
weilen noch Räucherpulvern zu, während sie
künstlich gefärbt auch zur Verfälschung des
Safrans dienen.
Rips (Ribs, Reps, Rippen, frz. und engl.
Reps) nennt man dicht gewebte Stoffe mit
längslaufenden erhabenen Rippen. Die letzteren
werden durch die starken, zwei- und dreifädig
gezwirnten Kettenfäden hervorgebracht, in die
ein Einschuß von viel feinerem gezwirnten Garn
gewoben und stark angeschlagen wird, so daß
dessen Fäden diejenigen der Kette vollständig
Verdecken. Stoff und Name sind ursprünglich
englisch. Die Herstellung erfolgte früher nur in
Baumwolle, während jetzt überall R. auch mit
Baumwoll- oder Wollkette und wollenem Ein
schlag zu Möbelbezügen, Türvorhängen, Damen
kleidern, sowie ferner in Seide als Damenstoff
gewebt wird. Die Wollenrispe kommen auch mit
Querrippen vor, welche durch abwechselndes
Einschießen eines schwachen und eines starken
Fadens erhalten werden.,
Robbenfleisch wurde während des Krieges in
größeren Mengen zur menschlichen Ernährung
nach Deutschland eingeführt. Die derben Stücke
des stark gesalzenen und zum Teil mit Kochsalz
kristallen bedeckten Fleisches besaßen eine sehr
dunkle, fast schwarzrote oder schwarzbraune
Farbe und setzten sich aus starken Muskelfasern
von deutlicher Querstreifung zusammen. Für die
chemische Zusammensetzung wurden folgende
Werte ermittelt: Wasser 48,75%, Stickstoffsub
stanz 28,08%, Fett .1,89%, Asche 18,96 %, Koch
salz 18,00%. Der Nährwert beträgt hiernach
*461 Einheiten oder 1380 Kalorien. Der Ge
schmack des nach Vorschrift 18—24 Stunden
Sewässerten Fleisches war zwar nicht übermäßig
a ngenehm, aber ebensowenig tranig oder fischig.
Es konnte vielmehr im rohen wie im gekochten
Zustande als durchaus genießbar bezeichnet
""erden.
Roborat, ein aus Weizenkleber bestehendes
Nährmittel, enthält nach König: 9.46% Wasser,
|, 2 .2S % Stickstoffsubstanz, 3,67 % Fett, 3,04 0/0
Extraktstoffe, 0,19% Rohfaserund 1,39% Asche.
Roborin wird von einer Berliner Fabrik aus
dem in Schlachthäusern abfallenden Blute her-
Sestellt und ist im wesentlichen als Kalzium-
®'buminat anzusprechen,. Das schwach alkalische
dunkelbraune Pulver ist nur wenig in Wasser
!°slich und enthält: 6,74 % Wasser, 77.38 %
Protein, 0,150/0 Fett, 3,37% Extraktstoffe, 12,36%
Asche.
Rodinal, das salzsaure Paraamidophenol, findet
für sich allein oder im Gemisch mit schweflig
saurem Natron und Kaliumkarbonat als photo
graphischer Entwickler Anwendung. Ein ge
brauchsfertiger R.-Entwick!er wird als Unal in
fester Form in den Handel gebracht.
Roggen (Korn, frz. Seigle, engl; Rye), neben
dem Weizen die wichtigste Getreidesorte, besteht
aus den Samen von .Secale cereale, die in zahl
reichen Spielarten wie: gewöhnlicher oder kurzer
R., Johannis-, Probstei-, .Kampiner-, Kleb-, Riesen
stauden-, russischer Schneeroggen usw. angebaüt
werden. Die meisten Arten leiten sich von dem
gewöhnlichen R. und dem Stauden-R. ab, in
die sie auch leicht wieder übergehen. R. findet
sich sowohl in China, Mittelrußland und Öster
reich als hauptsächlich in Norddeutschland, hin
gegen weniger im Westen und in Amerika. Das
eigentliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom
60. bis 65.° p. Br. bis zur Schweiz, doch kommt
er noch unter 70. 0 n. Br. und in Höhen bis
zu 1600 m fort. Er stellt geringere Anforde
rungen an den Boden als Weizen und wird
als Sommer- und Winterfrucht angebaut. Der
Sommer - R. gedeiht auch da, wo anderes
Getreide nicht fortkommt, wird aber später
reif und gibt um Vi geringere Erträge. Wo
irgend möglich, baut man daher Winter-R., der
zugleich gute Vorfrucht für Sommersaaten ist.
R. kann mehrfach hintereinander auf dieselbe
Stelle gesät werden und verträgt frische Dün
gung, wird aber meist ohne letztere nach Futter
pflanzen oder Hackfrüchten gebaut. Er ent
hält im Durchschnitt , 13—14 0/0 Wasser, 1 x bis
13% Protein, 2% Fett, 68—-70% Kohlenhydrate,
1V2—3% Rohfaser und 2% Asche, doch ist die
Zusammensetzung von vielen Umständen: Klima.
Lage, Düngung und Bodenbeschaffenheit, ab
hängig. Kleber läßt sich aus dem R. nicht aus-
waschen. Der Roggen bildet das wichtigste
Brotgetreide der nördlicheren Länder und wird
außerdem in Form von Grünfutter, Kleie und
Schwarzmehl zur Viehfütterung verwandt.
Rohr. 1. Spanisches R. (Stuhlrohr, Ro-
tang, frz. Canne de bengale, engl. Rattan), das
als Stuhlgeflecht und zu anderen Flecht- und
Korbwaren, ferner gefärbt zu Regenschirmrippen
und als Ersatz für Fischbein, zum Teil auch zu
Spazierstöcken Verwendung findet, stammt von
den schlanken Stämmen oder Trieben mehrerer
ostindischer Rohrpalmen: Calamus Rotang,
Calamus verus, Calamus rudentum. Die
aUgeschnittenen Stücke werden von Oberhaut,
Blättern und Dornen befreit und dann zusam
mengebunden über Pulo-Penang, Singapore und
Batavia nach Europa, aber auch nach China und
Japan ausgeführt. Man fertigt dort mannigfache
Gegenstände aus Rohr, die sämtlich lebhaft
begehrte Handelsartikel bilden. Alles Tauwerk
der chinesischen und anderen asiatischen Fahr
zeuge der östlichen Meere besteht z. B. aus
diesem Rohr. Der Handel liegt hauptsächlich in
den Händen der Holländer. Als Zeichen beson
derer Güte wird eine blaßgelbe Farbe angesehen,
da dunkelfarbiges R. gewöhnlich brüchig ist.
Auch muß ein gut geschlossener, glasiger Über
zug vorhanden sein, der beim Biegen nicht ab
springt. Das dünne, gelbliche R., Stuhlrohr,
nennt man auch weibliches, während unter