Metadata : Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

46

III.  Abschnitt.

beziehungen  verändert  hat  bzw.  wie  sehr  er  selbst  denjenigen  mit
benachbarten  Ländern  heutzutage  überwiegt,  zeigt  uns  z.  B.  die  Größe
der  in  verschiedenen  Landschaften  beheimateten  Teile  der  Handelsflotte ­
  eines  und  desselben  Staates,  sowie  der  Verkehr  bestimmter
Hafengebiete.  Klassisch  ist  in  dieser  Beziehung  die  Veränderung
der  Beteiligung  der  beiden  deutschen  Küsten  am  gesamten  Schiffsverkehr ­
  des  Reiches.  Noch  im  Jahre  1874  betrug  der  Anteil  der
Ostseehäfen  am  Tonnengehalt  der  in  Deutschland  angekommenen
Seeschiffe  nicht  weniger  als  46  vom  Hundert,  und  noch  nach  einem
Jahrzehnt,  1883,  erreichte  er  43  vom  Hundert  des  damaligen  Gesamtankunftverkehrs. ­
  Im  Jahre  1909  dagegen,  das  wegen  der  Zwischenzeit ­
  von  einem  Vierteljahrhundert  hier  gewählt  ist,  war  er  um  weitere
11  Proz.  gesunken.  Dem  Einwande,  daß  daran  ein  Rückgang  des
Ostseekanals  an  und  für  sich  die  Schuld  trage,  kann  leicht  durch  die
Tatsache  begegnet  werden,  daß  dieser  Teil  des  deutschen  Ankunftsverkehrs ­
  in  dem  erwähnten  Vierteljahrhundert  sich  von  rund  3  Millionen
auf  mehr  als  8  700000  Tonnen  gehoben  hat.  Damit  ist  der  Beweis
geliefert,  daß  es  in  der  Tat  lediglich  Gründe  geographischer  Art  sind,
die  diese  Veränderung  zur  Folge  gehabt  haben.
Inwiefern  schließlich  die  Lage  bzw.  die  Natur  des  an  ein  bestimmtes ­
  Gebiet  grenzenden  Meeresteiles  die  Verkehrsmittel  selbst
beeinflußt,  davon  geben  abermals  die  an  den  beiden  deutschen  Küstenmeeren ­
  herrschenden  Verhältnisse  ein  gutes  Bild.
Beispiel:  Der  Raumgehalt  der  deutschen  Ostseeüotte  betrug  1913,  netto  gerechnet, ­
  genau  ein  Zehntel,  derjenige  der  Nordseeflotte  dagegen  volle  neun  Zehntel
desjenigen  der  deutschen  Gesamtflotte.  Nun  liegt  das  aber  keineswegs  ganz  allein
an  den  verkehrsgeographischen  Vorzügen  der  Nordseeküsten,  die  erst  in  der  neuesten
Zeit  voll  zur  Geltung  gelangen  konnten,  sondern  auch  daran,  daß,  wieder  aus  Gründen
rein  geographischer  Natur,  im  Ostseegebiet  nur  kleinere  Fahrzeuge  zur  Verwendung
gelangen.  Gilt  das  schon  von  den  Dampfern,  deren  mittlerer  Nettogehalt,  soweit  sie
an  der  Ostseekiiste  beheimatet  waren,  im  Jahre  1913  nur  562  Registertonnen  gegen
1533  Tonnen  Mittelgehalt  der  an  der  Nordsee  beheimateten  deutschen  Dampfschiffe
war,  so  zeigt  es  sich  noch  deutlicher  an  den  Seglern.  Denn  bei  den  Dampfern
kommt  als  ein  die  Nordseeschiffsgröße  erhöhender  Umstand  das  Gewicht  der  vielen
großen  Passagierdampfer  in  Betracht.  Zwar  beruht  auch  dieser  Unterschied  letzten
Endes  auf  geographischen  Ursachen,  aber  die  Segelschiffe  zeigen  uns  den  Einfluß
von  solchen  doch  in  noch  deutlicherer  Weise.  Ebenfalls  1913  hatten  diese,  soweit
sie  in  deutschen  Ostseeplätzen  zu  Hause  waren,  einen  Nettogehalt  von  nicht  mehr
als  37  Registertonnen;  zudem  war  ihre  Zahl  gegen  die  aller  früheren  Jahre  zurückgegangen. ­
  An  der  Nordsee  dagegen  hat  ihre  Zahl  sich  gegen  die  des  Jahres  1891
stetig,  wenngleich  langsam  vermehrt,  und  ihre  Größe  betrug  1913  daselbst  187  Tonnen.

§  9.  Der  Luftverkehr.
Zu  den  Verkehrsmedien,  die  die  Menschheit  seit  ihrem  Bestehen
kennt,  ist  das  dritte,  die  Luft,  erst  in  allerletzter  Zeit  hinzugekommen.
Hier  kann,  der  Aufgabe  entsprechend,  die  sich  dies  Werk  gestellt
hat,  von  den  Entwicklungsmöglichkeiten  der  Luftschiffahrt  keine  Rede
sein.  Sie  zu  behandeln,  ist  Aufgabe  der  Technik.  Dagegen  sieht
sich  die  W T irtschafts-  bzw.  die  Verkehrsgeographie  durch  die  bewundernswerten ­
  Fortschritte  unserer  Zeit  vor  die  Aufgabe  gestellt,  auch  nach
dieser  Seite  hin  die  Einflüsse  des  Trägers  der  Bewegung  zu  studieren,
welche  die  benutzten  Fahrzeuge  in  ihrem  Fluge  fördern  oder  sich
ihnen  hemmend  entgegenstellen.
Lernten  wir  schon  im  Wasser  eine  Beeinflussung  des  Fahrzeuges
durch  die  Eigenbewegung  des  Mediums,  in  dem  es  sich  befindet,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.