129
man sie zu Pulver, das man durch feines Nesseltuch siebt. So
erhält man den echten „poudre de riz‘‘.
Als Wäschestärke wird hauptsächlich Reisstärke benutzt, weil
sie ausgiebiger ist als Weizen- und Maisstärke und sich am besten
zum Kaltstärken eignet. „Silberglanzstärke‘‘ ist Reisstärke mit
10—15% Borax; „Doppelstärke‘* enthält neben Reis- und
Kartoffelstärke 6.—7% Borax und 2—2,5% Stearin; ‚‚Creme-
stärke‘‘ ist mit Farbstoffen versetzt. Obwohl die Reisstärke ein
vorzügliches Appreturmittel für Gewebe darstellt, da sie sehr
vollständig, gleichmäßig und gummiartig verkleistert, wird sie
des hohen Preises wegen doch nur zur Appretur feinerer Stoffe
benutzt. In England scheint die Textilindustrie mehr Gebrauch
von ihr zu machen.
Die Verwendung der Eiweißkörper des Reises ist ein noch
nicht zufriedenstellend gelöstes Problem. Da sie nicht kleben
wie der Weizenkleber, können sie zu Appreturzwecken keine
Verwendung finden; auch Kleberbrot kann man damit nicht
machen. Wegen ihrer ausgezeichneten Verdaulichkeit kommen
sie — wie es scheint, selten — unter dem Namen „Energin‘‘
als Nährpräparat in den Handel. Daß sie zu Viehfutter verar-
beitet werden, ist oben schon bemerkt worden.
Die Reiskeime enthalten, wie die Keime andrer Gräser, ein
Fett, das als „Reisöl‘‘ in der Seifen- und Kerzenfabrikation
Verwendung findet.
Das Reisstroh wird, wie erwähnt, zur Viehstreu und als
Viehfutter benutzt. Auch zur Herstellung von Geflechten, wie
Körbe, Hüte, Sandalen, Stricke u. dgl., findet es Verwen-
dung, und zwar hauptsächlich das Stroh des Klebreises, da es
dünner, zäher und widerstandsfähiger als gewöhnliches Reisstroh
ist; ferner als Rohstoff in der Papierfabrikation, wozu es in
China schon seit alten Zeiten benutzt wird. Aus Reisstroh wird
u. a, das beste Zigarettenpapier der Welt hergestellt. Das sog.
„Chinesische Reispapier‘‘ (papier de riz, rice paper), das in
China als Malgrund für Guaschebilder, bei uns zur Herstellung
künstlicher Blumen dient, hat aber mit der Reispflanze nichts
zu tun; es wird aus dem Mark von Tetrapanax papyrifera,
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Bd. I. ‘s