56
Schlußbetrachtung
wie durch innere, durch europäische und durch Welt
kolonisation die Produktion gehoben, durch großzügige Aus
wanderung aus den übervölkerten Gebieten der Ausgleich der
Bevölkerungsdichte eingeleitet werden könnte.
Wiederholt betonten wir, daß diese Menschheitsfragen nicht
durch den Einzelstaat, auch nicht durch ein europäisches Forum
allein, sondern nur durch internationale Zusammenarbeit aller
Kulturvölker der Erde gelöst werden können.
Dieser Gedanke ist bekanntlich durchaus nicht neu. Das
Emporbltihen der Weltwirtschaft wurde vielmehr vor dem Kriege
vielfach durch internationale Vereinigungen gefördert. Wir er
innern diesbezüglich nur an den Weltpostverein, dasinternationale
Bureau der Telegraphenverwaltungen, das Institut für internatio
nales Recht, die internationale Union zum Schutze des gewerb
lichen und literarischen Eigentums usw.
Die Notwendigkeit, bei der Liquidierung des Weltkrieges
die Stimmen aller daran Interessierten zu hören, ließ den »Völker
bund« entstehen. Er stellt heute, allerdings in sehr beschränktem
Umfang und mit fraglicher Wirkung, eine Art Weltregierung dar.
Inwieweit er sieh bewähren wird, ob er überhaupt von Dauer
sein wird und ob ihm die Durchführung oder wenigstens die
Anbahnung einer Lösung der in dieser Studie aufgeworfenen
Menschheitsfragen zugemutet werden kann, ist eine offene Frage.
Die Erinnerung an die nach den Napoleonischen Kriegen
entstandene »heilige Allianz«, die ähnliche, wenn auch viel ein
fachere Aufgaben, aber trotzdem kurzen Bestand hatte, gibt nicht
viel Hoffnung.
Die Erkenntnis, daß dauernde internationale Zusammenarbeit
nötig ist, hat eine ganze Reihe von privaten Vereinen und Ge
sellschaften entstehen lassen, die eine mehr oder minder erfolg
reiche Tätigkeit entfalten. —
Wie dem auch sei — jedenfalls ist der Gedanke internationaler
Zusammenarbeit auf dem Marsche. Ob er praktische Erfolge
zeitigen wird, ist eine Menschheitsfrage von ernstester Bedeutung
und hängt vor allem von dem Geist ab, in dem er angepackt wird.
Solange Haß und Vergewaltigung die erste Geige spielen,
ist an nützliche Resultate nicht zu denken. Abbau des Hasses
und gegenseitiges Verstehenlernen sind das erste Erfordernis.