Wie die Verhältnisse bezüglich der „Nervosität“ liegen, dar-
über besitzen wir einen genaueren Überblick nicht. Wenn man aber
bedenkt, daß der Krieg jetzt 3's. Jahre dauert, daß die Zahl der be-
ruflich arbeitenden Frauen erheblich zugenommen hat, daß wir
während dieser langen Zeit viel Aufregungen mitgemacht haben
und außerdem auch noch an eine veränderte Ernährung gewöhnt
werden mußten, dann ist, meinem persönlichen Eindruck nach, die
Zahl der Nervösen, die unsere öffentlichen und privaten Sprech-
siunden aufsuchen, nicht groß.
Unter denen, die wir in Behandlung bekommen, sind außer-
dem viele, die entweder schon vor dem Kriege nervöse Symptome
oder zum mindesten eine Anlage zur Nervosität hatten.
Als besonders schlimm kann im übrigen eine gewisse Zu-
nahme der „Nervosität“ nicht angesehen werden, denn es handelt
fich um Störungen, die leicht beeinflußbar sind und mit der Rück-
kehr ruhigerer Zeiten großenteils von selbst schwinden werden.
Das an sich beim Kriegsbeginn gute Nervensystem des
„Heimatsheeres“ hat also bis jetzt noch nicht wesentlich gelitten.
Wie steht es nun mit unseren Soldaten?
Was die Schu ß verletzung e n des Nervensystems an-
langt, so hat man bei den Schädigungen der peripheren
Nerven sowohl mit der Anwendung der Elektrizität, wie
namentlich durch operative Methoden auch bei älteren Fällen die
besten Erfolge gehabt.
Prof. O. Foerster (Breslau) berichtete kürzlich auf der
Tagung Deutscher Nervenärzte, daß unter 523 von ihm vorgenom-
menen Nervenoperationen 315mal Heilung, 154mal Besserung
und nur 29mal kein) Erfolg erzielt worden ist.
Für die Geh irnverletzten hat man eine Reihe von
Spezialabteilungen eingerichtet, in denen vorhandene Lähmungs-
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