Full text: Mehr Freiheit im Welthandel!

unternommen haben, sind erfolglos geblieben. Wie einschneidend 
diese Maßnahme der tschechischen Regierung ist, geht daraus 
hervor, daß eine der betroffenen Firmen aus dem Düsseldorfer 
Bezirk bekanntgibt, sie habe an sich Aufträge aus der Tschecho- 
slowakei vorliegen, die ihr eine volle Beschäftigung des Betriebes 
für 2 Monate ermöglichten. 
Über die Zollabfertigung in der Tschechoslowakei wird sehr 
geklagt. Die Kundschaft deutscher Firmen in Nordböhmen 
beschwert sich über die willkürliche Verzollung durch die Be- 
hörden, die sich nicht an die vertragsmäßigen Positionen hielten 
und andere Posten mit höheren Zöllen nähmen, um größere 
Gelderträgnisse zu erhalten. Da sich die ausführenden tschechi- 
schen Behörden über die Einfuhrzölle oft selbst nicht klar sind, 
handeln sie nach Gutdünken. Reklamationen aller Art helfen 
nicht und werden zu den Akten gelegt. Ein regelrechter Waren- 
verkehr mit Deutschland, wie er vor dem Kriege bestand, ist 
fast ausgeschlossen. Es besteht allgemein keine Hoffnung, 
bekannte Artikel, die in Vorkriegszeiten nach Böhmen gingen, 
wieder einzuführen, geschweige denn, neue aufzunehmen. 
Im Vergleich zur Vorkriegszeit werden nur geringe Geschäfte 
mit Böhmen getätigt. Die deutsche Ware ist überall gut an- 
gesehen, aber die Vorkriegskundschaft will wegen der hohen 
Zölle und der vielen Schikanen das Wagnis nicht eingehen, zu be- 
stellen. Man verspricht sich eine Belebung im Geschäft erst, wenn 
wieder einigermaßen geordnete Verhältnisse eingekehrt sind. Der 
Reisende einer Düsseldorfer Firma sah bei einem Kunden eine 
Zollquittung über eine Tortenschaufel, vernickelt, die mit 
3000 Kr. verzollt war, wahrscheinlich nach Zolltarifnummer 509. 
Nach Überzeugung des Kunden kam aber diese Zolltarifnummer 
nicht in Betracht, sondern. verschiedene andere Tarifnummern, 
bei denen der Zollsatz sich zwischen 950 und 2400 Kr. bewegte. 
Die Verzollung nach Nr. 509 erscheint jedoch unrichtig. Diese 
umfaßt Gebrauchsgegenstände aller Art und ist eine Kaut- 
schukposition, unter die sich notfalls alles mögliche bringen 
Jäßt. Das Ergebnis der Reise war für unsere Firma also durchaus 
kläglich. 
Eine Reihe wichtiger deutscher Ausfuhrerzeugnisse unter- 
liegt in Österreich erheblichen Kinfuhrerschwerungen. Wie in 
der Tschechoslowakei, so bestehen auch hier Schwierigkeiten 
im Absatz von Ballenpressen. Der Zoll beträgt für eine Maschine 
zum Preise von rund 2000.— Mk. mit einem Gewicht von 
1700 kg rund 500.—Mk. oder 25% d. W. Auch nach Österreich 
wird der Absatz dieser Maschinen durch die hohe Zollbelastung 
unmöglich. 
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