thumbs: Die deutsche Wirtschaft

Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handels, 99 
gesellschaften übernommen, die allmählich von der Tramp- 
schiffahrt zur Linienschiffahrt übergehen, Der große zur Verfügung 
stehende Raum bei Eisenbahn und Schiffahrt drängte jedoch die 
Eisenbahn oder Schiffahrtsgesellschaften dazu, sich Frachtgut zu 
suchen, wo immer es sich finden ließ, Während früher nurder große 
Handelsherr, der über eigene Schiffe verfügte, seine Ware sicher 
verschicken konnte, fanden allmählich auch kleine Sendungen mitt- 
lerer Kaufleute und Fabrikanten ihren sicheren und schnellen 
Weg nach allen Ländern zu vorausbestimmbaren Frachtraten. Die 
Zusammenstellung der Waggon- und Schiffsladungen übernimmt zuerst 
die Bahn oder der Schiffseigentümer bzw. die Schiffahrtsgesellschaft, 
doch wird diese Aufgabe mehr und mehr von den großen S pe- 
ditionsunternehmungen übernommen, die sich auch ihrer- 
seits wieder für ganz bestimmte Warenarten spezialisieren. 
Der Handel erfährt insofern durch die Ausgestaltung des Ver- 
kehrswesens eine Demokratisierung, als der Handel nicht mehr die 
Domäne der reichen Kaufleute bleibt, sondern auch von kleineren 
Firmen betrieben werden kann, welche in früheren Jahrzehnten und 
Jahrhunderten daran nicht denken konnten. 
Wie sich sowohl auf dem Gebiete der Güterbewe gung all- 
mählich eine Spezialisierung herausbildet, finden wir auch alsbald bei 
dem Außenhandel und beim Binnenhandel (vgl. darüber die Ausführun- 
gen unter 28.) eine zunehmende Spezialisierung. Je mehr Konkurren- 
ten sich an den Welthandels- und Seehafenplätzen zusammendrängen, 
um so mehr muß der einzelne versuchen, gegenüber den anderen Beson- 
deres zu leisten, d.h. er muß sich spezialisieren, 
Der Warencharakter zwingt jedoch die Spezialisierung bei 
den Rohstoffen in eine andere Richtung als bei den Fabri- 
katen. 
Die Rohstoffe, welche an ihren Quellen durch den Auf- 
kaufhandel erfaßt werden, gelangen in großen Mengen an die Zen- 
tralmärkte in Übersee oder auch im Heimatland. Hier kommt es nun 
darauf an, für den gleichmäßigen Materialbedarf der weiterverarbeiten- 
den Industrie aus den oft sehr ungleichen Lieferungen der Rohstoffe 
— Holz, Häute, Wolle, Baumwolle, Gummi, Metalle usw. — stets 
gleichartige Sortimente zusammenzustellen. Damit wird der 
Rohstoffhändler am Welthandelsplatz zum Sortierer des Weltmarktes. 
Zu seinen weiteren Aufgaben gehört der schnelle Umschlag und die 
sichere Verteilung der unregelmäßig ankommenden Warenmengen an 
die richtigen Plätze, Quantität und Qualität der Ernte spielen hier, bei 
den Rohstoffen, naturgemäß eine wichtige Rolle; zwangläufig trägt 
daher der Rohstoffhandel spekulativen Charakter im besten Sinne des 
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