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schaft ganz neue Probleme zu lösen aufgegeben hat, die in früheren
Zeiten unbekannt waren.
8 37.
Der Kampf des Handwerks.
M. Mendelson, Die Stellung des Handwerks. Jena 189%.
W. Stieda, Die TLecbensfähigkeit des deutschen Handwerks. Rostock 1897.
Der um sich greifende Grossbetrieb hatte aber noch andere Folgen,
Zwar sahen wir, dass er viele neue selbständige Aufgaben übernahm, aber
vielfach trat er mit dem Handwerk in Konkurrenz und übte deshalb bis
zur Gegenwart einen tiefgreifenden Einfluss auf dasselbe aus. In einzelnen
Branchen, vor allem in der Textilindustrie ist die Handarbeit in vielen Ge-
zenden völlig verdrängt und durch den Fabrikbetrieb ersetzt. Die Ge-
werbezählung führt überhaupt von 148 000 Alleinbetrieben 45 000 mit 2—5
Personen auf. In einer zweiten Kategorie stehen noch beide in einem
zesetzten Kampfe, wo der Kleinbetrieb sich immer schwerer zu halten fort-
vermag, wenn ihm nicht besondere Umstände zu Hilfe kommen. Das
ist bei dem Schuhmacher-, dem Schneider-, Buchbinder-, Klempnerge-
werbe u. s. w. der Fall, während die dritte Kategorie durch den Gross-
betricb wenig oder garnicht bedrängt wird, weil eine Individualisierung
und Lokalisierung dabei gefordert wird, die eben der Kleinbetrieb
ebenso oder noch besser zu erfüllen vermag als jener. Das ist der
Fall bei dem sogenannten Dienstgewerben, Barbieren, Friseuren. Frei-
lich finden wir z. B. in Amerika auch hier bereits Grossbetriebe, in
denen ein ausgedehntes Personal von über 20 Gehülfen in grossen
Sälen thätig ist. Hierher gehört auch das Schornsteinfegergewerbe etc.,
und es zeigt sich, dass bei einer grossen Zahl von Handwerkern zur
ergänzenden Thätigkeit im Hause der kleine selbständige Mann nicht
zu entbehren ist. Das ist auf dem Lande und in kleinen Städten bei
dem Schmied, dem Tischler, Stellmacher, Schuhmacher, Schneider,
Schlosser u.s. w., also der 2. Kategorie zugehörigen Handwerkern der
Fall, die man deshalb auch in England und den Ver. Staaten von
Nordamerika noch sehr allgemein im Lande zerstreut vorfindet. Aus
demselben Grunde halten sich in den Städten eine Menge sclbständiger
Handwerker als Bäcker, Fleischer, Dekorateure, Maler, Sattler auf, die von
der Konkurrenz des Grossbetriebes nicht zu leiden haben, deren Aus-
sterben in keiner Weise zu befürchten ist. Das Handwerk hat nur vielfach
Jebergang zumeinen anderen Charakter angenommen, wie schon oben angedeutet,
Grossbetrieb, Ein Teil der Handwerker erweitert allmählich den Betrieb, ver-
yrössert die Werkstätten, zieht mehr Hülfskräfte heran, beginnt mit
nehr Maschinen zu arbeiten, welche eine volle Ausnutzung nur bei be-
ständiger Verwertung erfahren und infolgedessen von dem kleinen JTand-
werker nicht ausgiebig benutzt werden können. Dies kann man in einer
jeden Stadt bei uns bei Bäckern, Fleischern, Tischlern, Schlossern, Schnei-
dern, Schuhmachern, Buchbindern, Klempnern beobachten. Aber daneben
ziebt es eine grosse Zahl, die ihren Betrieb rein handwerksmässig im
Kleinen erhalten, aber einen Laden haben, in dem sie Waren, die aus
den Fabriken hervorgegangen sind und früher von den Handwerkern
selbst hergestellt wurden, fertig beziehen und sie feilhalten, daneben in
einer Werkstatt Reparaturen übernehmen, aber auch rein handwerks-
mässig auf Bestellung indiviualisierte Arbeit ausführen. Sie sind die
aigentlichen Repräsentanten des guten modernen Handwerks und die