fullscreen: Holländische Wirtschaftsgeschichte

rücksichtslos verurteiltel). Er stellte den Fabrikanten die Kauf- 
leute gegenüber und meinte, diese seien viel besser unterrichtet 
von der Veränderlichkeit der Mode und Künstler, und es sei deshalb 
völlig verkehrt, die Kaufleute hinter den Fabrikanten zurückzu- 
setzen und jene von dem Vorteil der letzteren abhängig zu machen. 
Er tadelte scharf die engen Vorschriften für die Herstellung der 
Stoffe, die den Export in Fesseln schlugen. Ohne den Wert und 
die Notwendigkeit gewisser Kontrollmaßregeln zu leugnen, hielt 
er es doch für außerordentlich schädlich, die Produktion in so enge 
Bestimmungen einzuschnüren und u. a. zu verbieten, unfertige 
Stoffe nach auswärts zu senden, oder vorzuschreiben, daß nur ganz 
bestimmte Sorten hergestellt werden dürften. Er verwarf alle Maß- 
nahmen, die den Handel mit Textilwaren irgendwie beschränken 
konnten; man solle niemand hindern, seine Waren zu kaufen, wo 
immer er wolle. Warnend erinnerte er daran, daß die Leidener 
Tuchindustrie früher an dem Hallensystem zugrunde gegangen sel; 
es sei ein Unglück, daß man, nachdem um 1580 die neuen Ein- 
wanderer aus den südlichen Niederlanden das Gewerbe hier auf- 
gefrischt hätten, alsbald wieder Hallen errichtet habe. Ob de la 
Court mit seinen Voraussagungen recht gehabt hat, läßt sich 
schwer entscheiden; wir werden den Gang dieser Industrie noch 
näher zu betrachten haben; ob ihr Rückgang im 18. Jahrhundert 
dem Hallensystem allein beizumessen ist, dürfte zweifelhaft sein; 
es kamen hierbei noch andere Faktoren in Betracht. Allerdings 
war das Hallensystem wohl kaum geeignet für eine Exportindustrie, 
die mit einer wachsenden Konkurrenz zu kämpfen hatte; zweifel- 
los konnte man mit ihm und trotz seiner vorübergehend Erfolge 
erzielen; aber der Protektionismus vertrug sich mit einer zünft- 
lerisch organisierten Produktion ebensowenig wie der freihändlerische 
Geist, der zwar das niederländische Wirtschaftsleben des 18. Jahr- 
hunderts noch nicht voll beherrschte, durch mancherlei Anzeichen 
aber schon seinen Schatten vorauswarf. 
Die Hallen haben in Leiden bestanden bis zur Aufhebung 
der Zünfte und der Herstellung der freien Arbeit 1798. 
Wenn man im Laufe des 18. Jahrhunderts mehrfach ihre Be - 
schränkung und Zusammenlegung gewünscht und auch teilweise 
durchgeführt hat, so geschah das nur aus finanziellen Gründen, 
1) de la Court, ebenda, S. 25 ff.; vgl. auch Laspeyres, SS. 184 ff.
	        
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