Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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Bit. lat 
schon im 12; und 18. Jahrhundert zu finden, namentlich auf den 
Wechselmessen. . Der Ausdruck wird zurückgeführt auf den Platz in 
Brügge, wo sich der Mittelpunkt des Wechsel- und Geldverkehres be- 
fand, und der „de Burse“ hieß, von wo sich dann der Ausdruck weiter 
verbreitete. Die Pariser Börse läßt sich etwa bis Anfang des 14, Jahr- 
hunderts zurückverfolgen. Die Londoner ist 1556, die Hamburger 
1558 gegründet. An den Wechselverkehr schloß sich der Börsenver- 
kehr in Leihbkapitalien für kaufmännische Zwecke. Erst später hat 
sich der börsenmäßige Handel auch bei den Waren ausgebildet, als der 
Umsatz sich derartig vergrößert hatte, daß sich Durchschnittsquali- 
täten herausbildeten, die, ohne die Ware zur Hand zu-haben, nach 
Proben gehandelt werden konnten, und in denen berufsmäßig Speku- 
lation getrieben wurde, 
Im 16. Jahrhundert war die Börsentechnik noch wenig ausge- 
bildet, doch kannte man bereits das Termingeschäft. Hine wesentliche 
Förderung gewann die Börse in dem damaligen Centralpunkt des Welt- 
verkehres, in Amsterdam, wo die Aktien der großen Kompagnien zum 
Umsatz gelangten und sich eine berufsmäßige Börsenspekulation darin 
entwickelte (Ehrenberg in d. Jahrb. für Nat.-Oek. 1892 3. F, Bd. 3 und 
Zeitalter der Fugger Bd. 2). Noch im 17. Jahrhundert entstand dort 
eine eigene Getreidebörse, bei der schon 1720 der Terminhandel zur 
Anwendung gelangte. In England nahm das Börsenwesen besonders 
Anfang des 18 Jahrhunderts einen. erheblichen Aufschwung, wo die 
Zahl der Aktiengesellschaften in bedeutendem Maße anwuchs und der 
Börse erhebliches Spekulationsmaterial bot. Zur selben Zeit gelang es 
dann bekanntlich John Law in Paris einen großartigen Börsen- 
schwindel ins Leben zu rufen, der als Beweis gilt, wie wohl vorbereitet 
dafür der Boden dort in jener Zeit bereits gewesen ist. 1724 errich- 
tete die Regierung in Paris eine offizielle Wechsel- und Fondsbörse, 
welche bereits nach den verschiedensten Richtungen Einrichtungen ent- 
hielt, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Der Nutzen 
derselben während des vorigen Jahrhundarts für die Gesamtheit wird 
aber mit Recht in Zweifel gezogen. 
In Deutschland lassen sich Wechselbörsen bis in die erste Hälfte 
des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen und zwar hauptsächlich in Augs- 
burg und Nürnberg; in der zweiten Hälfte in Hamburg. Anfang 
des 17. Jahrhunderts finden wir sie bereits in Lübeck, Königsberg, 
Bremen, Frankfurt a. M. und Leipzig, wo neben den Wechseln 
auch Geldsorten, Leihbkapitalien und hier und da auch Waren zum 
Umsatz gelangten... Die erste wirkliche Fondsbörse in Deutschland 
wurde in Wien 1771 von der Regierung gegründet und nach dem 
Pariser Vorbild unter staatliche Kontrolle gestellt, sonstige Börsen aber 
verboten. Noch 1799 wurden hier nur 24 verschiedene Arten von 
Staatsobligationen und sonstigen in Betracht kommenden Papieren 
gehandelt. In Berlin entwickelte sich die Börse seit dem Anfang des 
18. Jahrhunderts und wurde sowohl von Friedrich Wilhelm I., wie 
von Friedrich dem Großen entschieden begünstigt. 
Ihre volle Bedeutung hat die Börse aber erst im Laufe des letzten 
Jahrhunderts gewonnen; einmal infolge der großen. Staatsanleihen, die 
in wachsender Ausdehnung kontrahiert wurden und nur durch die Börse 
realisiert werden konnten; dann durch: die gewaltigen Bedürfnisse ‚der 
Eisenbahnen, denen. die Börse zu Hilfe kommen mußte, und schließ- 
lich durch die großen Aktienbanken, durch: welche ‚große ‚Mengen. von 
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