Full text : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

4:4 VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus.
wendung großer Mittel. Die Anhäufung von beträchtlichem
Kapital ist die Vorausseßzung für sein Aufkommen.
Suchen wir jetzt zu zeigen, wie sich in der Hand einiger Menschen
 größere wirtschaftliche Mittel (außer Landbesitz) angehäuft
haben.
Wir glaubten, die Verhältnisse des ausgehenden Mittelalters
dahin bestimmen zu Jollen, daß sich damals Ansätze zur kapitalistischen
 Wirtschaftsweise einstellten. Demgemäß wird es unsere
Wochenschrift vom 28. Mai 1910, S. 46 Anm. Die Fragen, die von
Kattenbusch, Theolog. Rundschau 1907, S. 278 (nach der Bemerkung,
daß ohne Zweifel der produktive Kapitalismus mit der ebenso pathetischen
 als asketischen Arbeitsamkeit des Calvinismus und seinem
religiösen Hintergrund geistige Fühlung gewonnen habe) gestellt
werden, ob für das Entstehen jenes Kapitalismus nicht das Zusammentreffen
 besonderer äußerer Verhältnisse in Westeuropa wichtiger ist
als gerade der Geist des Calvinismus, ob ohne den Calvinismus es
in England und Amerika nicht zur Ausbildung jenes Kapitalismus
gekommen wäre, und ob im lutherischen Deutschland ohne den dreißigjährigen
 Krieg solcher Kapitalismus nicht ebenso sich entwickelt haben
könnte, sind durchaus. zu bejahen. Andererseits hebt Kattenbusch
hervor, daß Weber darin recht habe, daß Luther den Beruf anders
gewertet habe als so, daß Betriebsamkeit als solche ihm als „Pflicht“
erschienen wäre; nur Freude an der Arbeit auch als solcher hat er
doch gekannt und geweckt. Über den Fortschritt des Luthertums und
des Calvinismus in der niederländischen Handelswelt des 16. Jahrh.
s. V.j.schr. f. Soz.- u. W.G. 1914, S. 153 f. Während Weber den
kapitalistischen Geist aus dem Calvinismus herleitet, leitet Sombart
neuerdings die calvinische Geistesrichtung samt dem kapitalistischen
Geist aus dem allgemeinen Genius der Epoche her. Damit ist die
Frage einfach um eine Staffel weiter gestellt. – Th. Mann, Betrachtungen
 eines Unpolitischen (1918), S. 116 f.: „Ich lege einigen Wert
auf die Feststellung, daß ich den Gedanken, der modern-kapitalistische
Erwerbsmensch, der Bourgeois mit seiner asketischen Idee der
BerufspFflicht,. sei ein Geschöpf protestantischer Ethik, des Puritanismus
 und Calvinismus, völlig auf eigene Hand, ohne Lektüre, durch
unmittelbare Einsicht erfühlte und erfand und erst nachträglich, vor
kurzem, bemerkt habe, daß er gleichzeitig von gelehrten Denkern
(Weber, Tröltsch, Sombart) gedacht und ausgesprochen worden . . .
Gesettt nämlich, daß die Figur des Thomas Buddenbroot, die vorwegnehmende
 Verkörperung seiner (Sombarts) Hypothese, ohne
Einfluß auf Sombarts Denken gewesen ist.“

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