Untersuchung des Bieres.
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erhaltenen Zahl den entsprechenden Alkohol in der Tabelle XVII sucht und letztere Zahl
durch das spezifische Gewicht des Bieres dividiert, erhält man den Alkoholprozentgehalt
des Bieres.
3. Extraktgehalt der Stammwürze und Vergärungsgrad. Aus Extrakt- und
Alkoholgehalt des Bieres läßt sich der Extraktgehalt der ursprünglichen Würze,
der sog. Stammwürze, sowie der Vergärungsgrad des Bieres berechnen. Man findet
ersteren schon annähernd durch Verdoppelung des Alkoholgehaltes und Addition
dieser Zahl zum Extraktgehalt, genauer jedoch durch die Formel:
100 (E -f 2,0665 A)
Extraktgehalt der Stammwürze e =
und den Vergärungsgrad durch die Formel;
100 1 —
E'
100 + 1,0665 A
worin E den Extrakt-, A den Alkoholgehalt des Bieres bedeutet.
Da während der Gärung etwas Alkohol verdunstet, so stimmt die so berechnete Zahl
nur annähernd mit dem wirklichen Extraktgehalt der ursprünglichen Stammwürze.
4. Bestimmung des Zuckers (Rohmaltose). Das entkohlensäuerte Bier wird auf
seine etwa 4-fache Menge verdünnt, davon werden 25 ccm mit 50 ccm Fehlingscher
Lösung kalt gemischt, zum Kochen erwärmt und dann noch 4 Minuten im Kochen er
halten. Man verfährt weiter nach S. 229, liest die dem Kupfer entsprechende Menge
Maltose aus Tabelle VI (am Schluß) ah und rechnet die für 100 ccm Bier erhaltene
Menge Maltose "durch Division mit dem spezifischen Gewicht des Bieres in Gewichts
prozenten um.
Da das Bier außer Maltose auch noch andere, Eeh 1 ingsche Lösung direkt reduzierende
Kohlenhydrate, wie Isomaltose usw., enthält, so gibt vorstehende Bestimmung nur einen
Ausdruck für den Rohmaltose-Gehalt des Bieres.
Man pflegt daher statt der Maltose bezw. des Zuckers die noch vergärbaren
Stoffe auch in der Weise zu bestimmen, daß man das Bier aufkocht, mit 2 °/ 0 abgepreßter
Hefe (Typus Fr oh borg) versetzt und nach 24-stündiger Gärung auf Extraktgehalt unter
sucht. Die Differenz zwischen dem wirklichen Extrakt vor und nach der Gärung gilt als
Gehalt an vergärbaren Stoffen. A. Bau’) will gefunden haben, daß Saazer Hefe 2 ) die
Isomaltose nicht vergärt, während dieses von der gewöhnlichen Bierhefe (Typus Proh-
kerg) geschieht. Er glaubt daher in der getrennten Anwendung beider Hefen in Rein
kultur ein Mittel auch zur Bestimmung der Isomaltose gefunden zu haben.
5. Bestimmung des Dextrins. 50 ccm Bier werden mit 15 ccm Salzsäure
y on 1,125 spezifischem Gewicht versetzt, das Ganze auf 200 ccm gefüllt und unter
Aufsetzen eines langen, weiten Glasrohres als Kühler 2 Stunden lang im siedenden
Wasserhad invertiert. Darauf wird die Lösung mit Natronlauge neutralisiert, auf
^50 ccm, bei extraktreichen Bieren auf 300 com, aufgefüllt und die gebildete Glukose
m 25 ccm mit Fehlingscher Lösung, wie S. 230 angegeben, bestimmt. Die ge
fundene Menge Glukose, mit 20 bezw. 24 multipliziert und mit dem spezifischen
Gewicht des Bieres dividiert, ergibt die in 100 g Bier durch Inversion gebildete
Menge Glukose. Diese ist aber nicht durch die Dextrine des Bieres allein, sondern
■’nch durch die noch vorhandene Maltose entstanden, weshalb man zur Berechnung
der ersteren die aus der gefundenen Menge Maltose entstandene Menge Glukose
Maltose von der Gesamtglukose in Abzug bringen muß. Der Best mit 9 / 10
^multipliziert, ergibt dann die im Bier enthaltene Menge Dextrin in Gewichtsprozenten
(vergk „Würze“ S. 718, No. 3).
*) Chem.-Ztg. 1893, 17, 499.
2 ) Zu beziehen von Dr. Rob. Muenoke in Berlin NW., Luisenstraße 58.