Full text : Frédéric Le Play in seiner Bedeutung für die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Methode

Zweiter  Abschnitt.
Beurteilung  der  Methode  Le  Play’s.

1.  Die  Gegensätze  zwischen  der  Methode  und  der  Weltanschauung ­
  Le  Play’s.  Naturwissenschaftliche  Methode  Le  Play’s.
Die  Methode  Le  Play’s  ist,  wie  wir  wissen,  dadurch  entstanden,  daß
ihm  —  dem  naturwissenschaftlich  gebildeten  Manne  —  die  sozialwissenschaftlichen ­
  Methoden  schon  frühzeitig  nicht  genügten,  weil
sie  die  Herrschaft  politischer  Dogmen,  revolutionärer  Schlagworte
mindestens  nicht  hindern  konnten  und  oft  geradezu  beförderten.
Solche  Methoden  konnten  einen  Geist  wie  denjenigen  Le  Play’s
nicht  befriedigen.
Henry  deTourville,  der  bedeutendste  Schüler  und  zugleich
Kritiker  Le  Play’s,  sagt  von  dieser  Abneigung  Le  Play’s  gegen  die
Sozialwissenschaft  seiner  Zeit x ):
Gelehrter  im  großen  Stil,  liebte  er  nichts  weniger  als  die  falschen  Anmaßungen, ­
  die  im  Namen  der  Wissenschaft  erhoben  wurden.  Als  eine  Zeitplage, ­
  als  ein  großes  Übel  vieler  redlicher  Menschen  betrachtete  er  den  Gebrauch ­
  der  tönenden  und  vieldeutigen  Worte,  die  die  klare  Erkenntnis  der
Tatsachen  verdunkeln,  um  ihnen  vor  der  Öffentlichkeit  ein  Ansehen  zu  geben.
Le  Play  wollte  an  die  Stelle  dieser  Schlagworte,  die  in  jedem
Kopfe  eine  andere  Vorstellung  erwecken,  so  weit  wie  möglich,  die
Ausdrücke  des  gewöhnlichen  Lebens  setzen.  Vor  allem  aber  wollte
er  dieser  verworrenen  Begriifswelt  Tatsachen  entgegenstellen,  die
aus  der  Erfahrung,  aus  der  exakten  Beobachtung  der  Wirklichkeit ­
  gewonnen  waren.  Diese  Beobachtung  sollte  sich  aber  nicht  auf

*)  Science  sociale  1886,  p.  10ff.  art.  „La  Science  sociale  est-elle  une  Science?“
            
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