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Futtermittel.
nimmt eine mehr längliche Gestalt an und es entsteht so ein weißlicher, ziemlich
großer, auf der Oberfläche Sporen abschnürender Mycelkörper, der einen süßen Saft, den
sog. Honigtau, abscheidet. Das fertige Mutterkorn ist ein harter, an der Oberfläche
schwarzvioletter, keulenförmiger Körper, der aus einer weißen, markartigen, pseudo-
parenchymatischen Masse verflochtener Pilzhyphen besteht. Auf diesem Sklerotium
bilden sich im Frühjahre Fruchtkörper mit Perithecien, deren Äskussporen abermals
die Roggenbltite infizieren (Fig. 192, S. 401).
Das Mutterkorn kommt auch auf Weizen und Gerste, aber seltener als auf
Roggen vor; ferner findet man es auf zahlreichen Gräsern. Auch hier handelt es
sich zum Teil um spezialisierte Formen.
Der Nachweis des Mutterkorns in Mahlerzeugnissen kann entweder durch
chemische Reaktionen oder durch mikroskopische Untersuchung oder Kombinierung
beider geführt werden. Der chemische Nachweis beruht auf der Ausziehung des
violetten Farbstoffes der Rindenhyphen (vergl. S. 271 u. 272).
Ein sicheres Urteil ist nur durch den mikroskopischen Nachweis zu er
langen. C. Böhmer empfiehlt, zunächst die zu untersuchenden Stoffe durch Äther
Fig. 193.
A Mutterkorn im Querschnitt, a Rinde mit
Farbstoff, b Inneres, c Fetttropfen.
B Parenchym aus dem Gewebe eines Getreide
keimes. Nach C. Böhmer.
WM
i'ig. 194.
Mutterkorn. Inneres Gewebe; ß im Querschnitt, C
Längsschnitt, durch Äther entfettet.
zu entfetten, dann mit salzsäurehaltigem Wasser längere Zeit durchzurühren und
dieses einige Male mittels eines Meßzylinders zu dekantieren. Den Rückstand läßt man
auf einem Porzellanteller abtropfen und sucht nun unter der Lupe alle rötlichen,
rotbraunen oder grauen Teilchen heraus. Man kann auch etwa 5 g Kleie in einer
Porzellanschale allmählich mit 1 / 2 1 Wasser anrühren, nach Zusatz von ein wenig
verdünnter Salzsäure unter Erneuerung des Wassers eine Stunde lang kochen und
im Meßzylinder dekantieren. Die Mutterkornteile der Rindenpartie erscheinen unter
dem Mikroskop meist rosenrot, in Kalilauge violett; die Teile des inneren Schein
gewebes sind farblos. Von dem Gewebe der Getreidekeime unterscheidet sich das
des Mutterkornes durch die unregelmäßige Anordnung seiner polyedrischen Zellen.
E. Sclnviirzepilzc. Mit diesem Sammelnamen bezeichnet man verschiedene Pilz
arten, die teils als Parasiten auf dem Getreide leben, teils nur tote Pflanzenteile
oder durch andere Einflüsse (besonders durch Frost, Dürre u. a.) schon geschwächte
Pflanzen befallen. Ihr Luftmycel und ihre Konidien sind dunkelbraun gefärbt, so
daß von ihnen stark befallene Pflanzen bräunlich oder schwärzlich aussehen. Die
wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind folgende:
a) Cladosporium herbarum Pers., die Konidienform der Mycosphaerella
Tulasnei. Der Pilz befällt parasitär nur geschwächte Pflanzen, ist aber besonders
häufig auf Getreide, das während der Ernte oder auch nach der Reife noch auf dem