84 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft.
Der Ursachenzusammenhang zwischen den verschiedenen Variablen des
Preisbildungsprozesses ist nicht der einseitige, nach einer bestimmten
Richtung wirkende, in welchem ein Glied immer das nachfolgende
im Verhältnis zu einem vorausgehenden ist und von diesem voraus-
gehenden bestimmt wird, sondern ist vielmehr die geschlossene Ur-
sachenkette, in welcher jedes Glied von allen anderen abhängt, und die
ebensowohl in der einen wie in der anderen Richtung verfolgt werden
kann. Die ökonomische Wissenschaft hat sehr viel nutzlose Mühe in
Streitigkeiten darüber verloren, ob die eine oder andere Gruppe von
Unbekannten im Preisbildungsproblem als Ursache oder Wirkung zu
betrachten wäre. Es ist an der Zeit, alle solche Auseinandersetzungen
aus unserer Wissenschaft auszuscheiden.
Einen vollständigeren und tieferen Einblick in die Natur des Ur-
sachenzusammenhangs, den wir jetzt charakterisiert haben, werden wir
durch das Studium des allgemeinen Mechanismus des Preisbildungs-
prozesses im folgenden Kapitel gewinnen.
$ 13. Supplementäre Prinzipien der Preisbildung,
Der Preisbildungsprozeß zeigt in der Wirklichkeit eine Reihe von
Komplikationen, die wir bis jetzt außer acht gelassen haben. Wir sind
nämlich von der Voraussetzung ausgegangen, daß die Produktionskosten
eines Gutes immer bestimmt sind, sobald die Preise der Produktions-
mittel gegeben sind. Von dieser Voraussetzung weicht die Wirklichkeit
aus verschiedenen Gründen ab. Es gibt in der Tat sehr allgemeine Fälle,
wo die Produktionskosten in der einen oder anderen Hinsicht unbestimmt
sind. In solchen Fällen ist offenbar auch das Problem der Preisbildung
in einem gewissen Grade unbestimmt, kann erst völlig bestimmt werden,
wenn gewisse neue Bedingungen für die Preisbildung aufgestellt werden.
Dies bedeutet, daß das Prinzip der Knappheit nicht allein ausreicht,
um die Preisbildung zu bestimmen, sondern durch gewisse supplemen-
täre Prinzipien, welche neue Bedingungen der Preisbildung darstellen
und die Unbestimmtheit des Problems aufheben, ergänzt werden muß.
Wir werden finden, daß diese supplementären Prinzipien wieder‘ nur
Folgeerscheinungen des allgemeinen wirtschaftlichen Prinzips sind, die
im wirklichen Wirtschaftsleben wenigstens als normale Regeln der
Preisbildung gelten.
Erstens kann ein und dasselbe Produkt in verschiedenen Betrieben
unter mehr oder weniger günstigen Produktionsverhältnissen hergestellt
werden. Für die Bedürfnisbefriedigung sind dann natürlich die Be-
triebe mit den günstigsten Produktionsverhältnissen auszuwählen. Es
ist aber möglich, daß die Nachfrage erst dann befriedigt werden kann,