Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 14. Die Organisation der modernen Tauschwirtschaft, 
Die Regulierung der Produktion durch die Preisbildung kann unter 
solchen Umständen keine so vollständige sein, wie es die Theorie vor- 
aussetzt. Wenn der Preis eines Produkts, weil das Angebot die Nach- 
frage übertrifft, zurückgeht und nicht langer die Produktionskosten 
eines gewissen Betriebs deckt, würde nach der Theorie dieser Betrieb 
aufhören und somit das Angebot vermindert werden, wodurch das 
Gleichgewicht eventuell wieder hergestellt werden würde. Die Theorie 
hat daraus geschlossen, daß der Preis immer die Produktionskosten 
decken muß, oder wenigstens daß eine solche Übereinstimmung; wenn 
sie auch zufälligerweise vorübergehend gestört werden mag, jedenfalls 
auf die Dauer bestehen muß. Die Erfahrung zeigt, daß dieser Schluß 
aum ganz berechtigt ist. Ist das Kapital einmal in der oben an- 
gegebenen Weise in einem Unternehmen gebunden, braucht das Unter- 
nehmen noch nicht aufgegeben zu werden, weil der Preis des Produkts 
ie vollen Produktionskosten nicht deckt. Solange der Preis es möglich 
macht, die laufenden Betriebskosten zu decken und darüber hinaus noch 
einen, wenn auch kleinen Ertrag des gebundenen Kapitals zu erzielen, 
ist es besser, die Produktion fortzusetzen als das Unternehmen nieder- 
zulegen. Im letzten Falle würde das Kapital vielleicht vollständig 
verloren sein, im ersten wirft es doch immer noch einen Ertrag ab, 
nter solchen Umständen kann ein Unternehmen, das seine vollen 
roduktionskosten nicht deckt, lange Zeiten aufrechterhalten werden. 
In wirtschaftlichen Depressionsperioden ist sogar eine solche Produktion 
nter den wirklichen Produktionskosten eine sehr allgemeine Er- 
cheinung. 
In der Regel muß jedoch anderseits jedes Realkapital mit der Zeit 
verbraucht werden. Das meiste Realkapital wird sogar ziemlich schnell 
durch den regulären Produktionsprozeß abgenutzt. Die Wirkungen 
einer wirtschaftlich unrichtigen Kapitalverwendung sind deshalb zeit- 
ich begrenzt. Die Tauschwirtschaft steht immer wieder vor der Auf- 
abe, neues Realkapital zu produzieren und ist insofern stets in der 
age, ihre neue Kapitalproduktion nach den Forderungen des Kosten- 
prinzips zu richten. Das Kostenprinzip stellt unter solchen Verhält- 
nissen die normale Preisbildung der Tauschwirtschaft dar, um welche 
ie wirkliche stets oszilliert. Die freie Konkurrenz ist aber, infolge der 
mangelnden Beweglichkeit des festen Kapitals (übrigens auch der 
Arbeit) nicht imstande, diese normale Preisbildung vollständig zu 
realisieren. 
‚Die Theorie, welche die freie Konkurrenz als Mittel zur Realisierung 
iner normalen Preisbildung betrachtet, setzt ferner die Existenz eines 
Marktes voraus, Die wesentliche Forderung, die an diesen Markt 
estellt wird, ist, daß viele kleine Verkäufer vielen kleinen Käufern 
egenüberstehen. Das Wort „klein‘‘ bedeutet hier, daß die Nachfrage 
der das Angebot des einzelnen im Verhältnis zur Gesamtnachfrage 
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