8 14. Die Organisation der modernen Tauschwirtschaft. 5
freien Konkurrenz und zur Schaffung von festeren Verbindungen
zwischen Produzent und Konsument wahrnehmen.
Unter modernen Verhältnissen machen die technische Natur der
Unternehmungen und die Überlegenheit des Großbetriebs auf immer
weiteren Gebieten große Betriebseinheiten notwendig. Der Eisenbahn-
betrieb ist vielleicht das am stärksten hervortretende Beispiel. An der
Seite desselben stehen andere Verkehrsunternehmungen, wie Tele-
graphen- und Telephonbetriebe. Aber auch auf dem Gebiete der Pro-
duktion im engeren Sinne sind oft sehr große Betriebseinheiten erforder-
lich, z. B. in der Eisenindustrie, in der elektrischen Industrie, in den
großen elektrochemischen Industrien, in der Zuckerindustrie usw.
Wenn diese Betriebseinheiten auch im Verhältnis zum Gesamt-
bedarf groß sind, kann kein Markt existieren, die freie Konkurrenz
vermag keine Gleichgewichtslage herzustellen. Wir haben hier drei
verschiedene Fälle zu unterscheiden.
Erstens haben wir den Fall zu betrachten, daß einige wenige
Großproduzenten einer Menge von kleinen Konsumenten gegenüber-
stehen. Ist dann ein Produktionszweig besonders lohnend, würden nach
der Theorie der freien Konkurrenz neue Unternehmungen hinzukommen
oder schon bestehende erweitert werden, und dadurch das Angebot
gerade um so viel vermehrt werden, daß der Gewinn auf das normale
Niveau, aber auch nicht weiter herabgedrückt werden würde. Eine
Gleichgewichtslage kann aber auf diesem Weg nicht eintreten, wenn
das Hinzukommen auch nur eines einzigen neuen Unternehmens eine
relativ starke Vermehrung der Produktion bedeutet, oder wenn auch
eine mäßige Vergrößerung eines Unternehmens die Absatzmöglichkeiten
der anderen wesentlich beeinträchtigt. Dies ist unter modernen Ver-
hältnissen sehr oft der Fall. In einigen Industrien, wie z. B. in der
Produktion von Eisenbahnschienen, in der Gardinenweberei, in ge-
ringerem Grade auch in der Zuckerindustrie usw. ist die kleinste tech-
nisch und ökonomisch anwendbare Betriebseinheit schon so groß, daß
ein einziger oder einige wenige Betriebe genügen, um den Bedarf eines
ganzen Landes kleinerer oder mittlerer Größe zu decken. Auf solchen
Gebieten wird jede neue Konkurrenz den Absatz der gesamten Industrie
ernstlich gefährden. Tritt ein neues Unternehmen in Wettbewerb mit
den schon bestehenden, oder sucht eines dieser Unternehmen sich be-
trächtlich zu erweitern, so wird das Ergebnis aller Wahrscheinlichkeit
nach das sein, daß sämtliche Unternehmen unrentabel werden. Da aber
viel Kapital in jedem dieser Unternehmen gebunden ist, wird auch keins
derselben deswegen niedergelegt werden, weil die vollen Produktions-
kosten nicht gedeckt werden, sondern die Konkurrenz kann noch lange
fortgesetzt und verschärft werden. Unter solchen Umständen sind die
Beteiligten einfach gezwungen, sich gegen eine freie Konkurrenz zu
wehren, die mit einer gesunden geschäftlichen Tätigkeit unvereinbar
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