Full text: Theoretische Sozialökonomie

108 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
Stahltrust das typische Beispiel liefert, in der elektrotechnischen In- 
dustrie, wo die großen Unternehmen den ganzen Produktionsprozeß 
beherrschen, von den Rohmaterialien bis in die mancherlei verschie- 
denen Verwendungen ihrer Produkte, in der Anlage von Kraftzentral- 
werken, elektrischen Bahnen, Beleuchtungswerken usw. und sogar bis 
in den Betrieb solcher Unternehmen. In solchen Fällen finden wir die 
gesamte Produktion von den Rohmaterialien bis zur schließlichen Be- 
dürfnisbefriedigung von einem einzigen Unternehmen beherrscht. In 
dem Maße, wie die Integration der Industrie fortschreitet, verschwindet 
auf den Zwischenstufen die Produktion für den Absatz, für einen Markt. 
Auf der Endstufe wird sehr oft auf Bestellung, z. B. von Kriegs- 
materialien, kommunalen Beleuchtungsanlagen, Eisenbahnmaterialien 
usw. oder auch unmittelbar für die Bedürfnisbefriedigung, in allen 
vorangehenden Stufen aber auf Order für die nächstfolgende Stufe 
gearbeitet. Die Konkurrenz hat unter solchen Umständen Bedeutung 
für die Regulierung der Produktion nur insofern, wie sie sich auf der 
letzten Stufe geltend macht. Hier spielt sie immerhin eine bedeutende 
Rolle. Bei Bestellung seitens öffentlicher Behörden oder großer Ge- 
sellschaften entwickelt sich oft eine sehr scharfe Konkurrenz zwischen 
Großunternehmen, welche den Auftrag zu übernehmen imstande sind. 
Nicht selten wird aber dabei der Preis sogar unter den wirklichen 
Kostenpreis herabgedrückt. Um dies zu verhindern, natürlich auch 
um womöglich einen Extragewinn zu machen, treffen die beteiligten 
Unternehmer mehr oder weniger geheime Übereinkommen, die eine 
Teilung der Kundschaft und der Gewinne bezwecken. In manchen 
Fällen hat auch ein Großunternehmer Mittel verschiedener Art in 
seiner Hand, um eine Kundschaft der Konkurrenz zu entziehen und 
für sich zu behalten. 
Auch wenn die Konkurrenz zwischen den einzelnen Unternehmen 
innerhalb einer Industrie vollständig unterdrückt wird, ist gleichwohl 
die Preisbildung nicht vollständig willkürlich. Es gilt doch vielleicht 
immer noch, gegen andere Mittel zur Befriedigung desselben Bedürf- 
nisses zu konkurrieren. So z. B. steht die Industrie, die für die elek- 
trische Beleuchtung arbeitet, in ständigem Wettbewerb mit den Unter- 
nehmen, die das Beleuchtungsbedürfnis in anderer Weise befriedigen, 
z. B. mit der Petroleum- oder Gasbeleuchtung. Diese Konkurrenz zwingt 
die beteiligten Industrien, die Preise möglichst niedrig zu halten und 
bewirkt dadurch, daß das Kostenprinzip im großen aufrechterhalten 
wird. Auch wenn konkurrierende Methoden zur Befriedigung desselben 
Bedürfnisses nicht vorhanden sein sollten, hat der Produzent doch immer 
darauf zu achten, daß er mit allen Produzenten, die andere Bedürfnisse 
befriedigen wollen, im Wettbewerb steht. Denn die Verteilung der 
Mittel der Konsumenten auf die verschiedenen Zweige der Bedürfnis- 
befriedigung hängt von den Preisen der Güter ab, und es herrscht des-
	        
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