Full text: Theoretische Sozialökonomie

110 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
Gebieten gelingt, eine der Verwirklichung des Kostenprinzips dienende 
Konkurrenz zu schaffen. Eine befriedigende positive Definition der 
freien Konkurrenz dürfte sich schwerlich aufstellen lassen. Die Idee 
der freien Konkurrenz ist in der Tat wesentlich unvereinbar mit einer 
für moderne wirtschaftliche Verhältnisse sehr bedeutungsvollen Er- 
scheinung, nämlich der wirtschaftlichen Überlegenheit des Großbe- 
triebs. In den Fällen, wo diese Überlegenheit sich geltend macht, muß 
die freie Konkurrenz mit logischer Notwendigkeit ihren eigenen Gegen- 
satz, das Monopol, hervorrufen, denn auf welcher früheren Zwischen- 
stufe würde bei freier Konkurrenz die angenommene Überlegenheit 
des Großbetriebs eine Gleichgewichtslage erlauben? Ein solches Er- 
gebnis kann nicht ohne Organisationsformen, die im Wirtschaftsleben 
streng regulierend eingreifen und also für die‘ betrachteten Fälle eine 
Aufhebung der freien Konkurrenz bedeuten, vermieden werden. | 
Unter solchen Verhältnissen dürfte es klar sein, daß die .Voraus- 
setzung einer freien Konkurrenz als Ausgangspunkt für eine allgemeine 
Theorie der Preisbildung sehr wenig geeignet ist. Stellen wir auf der 
grundlegenden Voraussetzung unserer Theorie die strengere wissen- 
schaftliche Forderung, daß sie den Geltungsbereich der Theorie nicht 
unnötigerweise beschränken, sondern wirklich eine notwendige Voraus- 
setzung sein soll, so ist es noch deutlicher, daß wir den Ausgangspunkt 
unserer Theorie nicht von der freien Konkurrenz nehmen können. Denn 
es unterliegt keinem Zweifel, daß eine Preisbildung von der Natur, wie 
sie die Theorie durch die freie Konkurrenz verbürgt glaubte, auch ohne 
freie Konkurrenz möglich ist. Wir werden im nächsten Paragraphen 
sehen, daß eine solche Preisbildung in einer Gesellschaft, die grund- 
sätzlich das Privatunternehmertum und folglich jede freie Konkurrenz 
ausschließt, aufrechterhalten werden müßte. Aber auch unsere tatsäch- 
lich bestehende Gesellschaft erreicht, wie wir hier gesehen haben, in 
manchen Fällen, wo eine freie Konkurrenz nicht möglich ist, auf anderen 
Wegen eine annähernd normale Preisbildung. 
Die Frage, in welchem Maße die Preisbildung in unserer bestehen- 
den Tauschwirtschaft vom Kostenprinzip beherrscht wird, können wir 
nunmehr dahin beantworten, dzß das Kostenprinzip gewissermaßen 
einen Normalzustand darstellt, um welchen die wirkliche Preisbildung 
oszilliert. Jede beträchtliche Abweichung der Preisbildung vom Kosten- 
prinzip ruft im allgemeinen entgegenwirkende Kräfte hervor. Eine 
Konkurrenz zwischen einigen wenigen relativ großen Unternehmen, die 
die Preise leicht unter die Kosten herabdrücken könnte, wird durch 
industrielle Zusammenschließungen verschiedener Art vermieden. Die 
erste treibende Kraft in der ganzen, gerade für unsere Zeit kennzeichnen- 
den Konzentrationsbewegung ist ohne Zweifel das Streben, sich gegen 
verlustbringende und am Ende ruinierende Konkurrenz zu schützen, 
sich eine die Kosten deckende Preisbildung zu sichern. Zwar versuchen
	        
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