Full text: Theoretische Sozialökonomie

| Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
markts sein, was damit gleichbedeutend ist, daß der Lohn durch eine 
Preisbildung nach dem Prinzip der Knappheit und der supplementären 
Prinzipien bestimmt ist. Wie weit die sozialistische Gesellschaft diese 
Marktlage selbst durch andere Maßnahmen zu beherrschen vermöchte, 
ist eine andere Frage. Daß dies besonders durch geeignete Ordnung 
des Erziehungswesens der sozialistischen ebensowohl wie unserer be- 
stehenden Gesellschaft in gewissem Maße möglich ist, werden wir später 
finden (8 39). Wollte die sozialistische Gesellschaft darüber hinaus den 
Arbeitsmarkt etwa durch Beschränkung der freien Berufswahl, der Frei- 
zügigkeit, der Fortpflanzung usw. zu regulieren suchen, um damit eine 
Marktlage zu schaffen, die eine gewisse aus „objektiven‘, außerhalb 
der Rücksichten auf die Marktlage liegenden Gründen als passend an- 
gesehene Lohnskala erlaubte, so würde dies natürlich immer bis zu 
einem gewissen Grade, aber auch nur bis zu einem gewissen Grade —, 
denn die natürliche Knappheit gewisser Begabungen könnte auch die 
sozialistische Gesellschaft kaum überwinden — möglich sein, aber einer 
Beeinträchtigung des Verfügungsrechtes des einzelnen über seine Arbeits- 
kraft und überhaupt seiner persönlichen Freiheit gleichkommen, welche 
die sozialistische Wirtschaft bedenklich nahe einer Sklavenwirtschaft 
bringen und ihr jedenfalls den wesentlichen Charakter der Tauschwirt- 
schaft rauben würde. 
Wir werden im folgenden wiederholt Gelegenheit haben, die Not- 
wendigkeit wirtschaftlicher Vorgänge durch Untersuchung der Ver- 
hältnisse der hier analysierten sozialistischen Wirtschaftsordnung zu 
prüfen, und in vielen Fällen dabei zu Ergebnissen kommen, die im 
Gegensatz zu allgemein verbreiteten Vorstellungen stehen. 
Viertes: Kapitel. 
Der Mechanismus der Preisbildung. 
816. Arithmetische Behandlung des Gleichgewichtsproblems. 
Die für die Preisbildung einer jeden Tauschwirtschaft maßgebenden 
Prinzipien haben wir im vorigen Kapitel als notwendige Konsequenzen 
des allgemeinen wirtschaftlichen Prinzips hergeleitet, Wer sich in diese 
Prinzipien genau hineingedacht hat, ist damit schon in der Lage, sich 
eine richtige Auffassung von der allgemeinen Natur der Preisbildung 
zu bilden und hat schon einen sicheren Grund für die Behandlung der 
meisten Aufgaben der theoretischen Ökonomie. Indessen bietet diese 
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