Full text: Theoretische Sozialökonomie

a! Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
) Ein spezieller Fall, wo eine veränderte Nachfrage nach einem 
fertigen Gut einen unmittelbaren aktiven Einfluß auf die Preisbildung ge- 
winnt, ist der Fall verbundener Produkte. Unser viertes supplementäres 
Prinzip lehrt, daß die Preise verbundener Produkte so gesetzt werden 
müssen, daß ein vollständiger Absatz sämtlicher verbundener Produkte 
erzielt wird. Steigt nun die Nachfrage nach einem der Produkte, so 
muß in der Regel auch der Preis desselben steigen, weil eine hin- 
reichende Vermehrung der Gesamtproduktion die Preise der übrigen 
verbundenen Produkte, für welche die Absatzmöglichkeit nicht er- 
weitert worden ist, zu sehr herabdrücken würde. Seitdem z. B. Zentral- 
heizung in allgemeineren Gebrauch gekommen ist, haben die städtischen 
Gaswerke oft bedeutend höhere Preise für Koks erzielt. Im letzten 
Menschenalter hat sich in breiten Volksschichten eine tiefgreifende 
Veränderung in der Nachfrage nach Nahrungsmitteln in der Richtung 
eines relativ gesteigerten Verbrauchs von Fleisch und überhaupt von 
animalischen Nahrungsmitteln vollzogen. Die Landwirtschaft kann 
sich nicht unbegrenzt nach dieser Geschmacksveränderung richten. 
Für sie sind vegetabilische und animalische Nahrungsmittel verbundene 
Produkte, deren gegenseitiges Mengenverhältnis zwar variiert werden 
kann, aber doch nur innerhalb gewisser Grenzen. Die Folge der Ver- 
änderung der Nachfrage mußte also eine relative Preisverschiebung 
der beiden Klassen von Nahrungsmitteln sein. 
Eine Veränderung in den subjektiven Bestimmungsgründen der 
Preise kann ferner auch eine Wirkung auf die Produktionskosten und 
dadurch auf die Preisbildung ausüben. Die Natur dieser Wirkungen 
ist schon mit der Aufstellung der beiden ersten supplementären Prin- 
zipien theoretisch klargelegt. Eine gesteigerte Nachfrage kann in ge- 
wissen Fällen eine Verteuerung, in anderen eine Verbilligung der Pro- 
dukte bedeuten. Eine Verteuerung tritt ein, wenn zur Befriedigung der 
gesteigerten Nachfrage neue Betriebe mit höheren Produktionskosten 
in Anspruch genommen werden müssen und also das Differentialprinzip 
in Kraft tritt. Als Beispiel mag die Verteuerung der Milch oder des Brenn- 
holzes in einer wachsenden Großstadt, die ihren Bedarf aus immer ent- 
fernteren Bezugsstätten befriedigen muß, dienen. Eine Verbilligung tritt 
dagegen ein, wenn die Produktion im Zeichen sinkender Herstellungs- 
kostenarbeitet. Dieaußerordentliche Steigerung derNachfragenachFahr- 
rädern hat z. B. eine sehr billige Massenproduktion derselben ermöglicht, 
was den Käufern in wesentlich gesunkenen Preisen zugute gekommen ist, 
Das Gesagte dürfte genügen, um zu zeigen, daß die Faktoren, die 
wir als subjektive Bestimmungsgründe der Preise bezeichneten, wirklich 
auch einen wesentlichen und keineswegs nur passiven Einfluß auf die 
Preisbildung haben. 
Die meisten und wichtigsten Veränderungen der Preise gehen in- 
dessen wohl immerhin von Veränderungen der technischen Be- 
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