Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 18. Die aktiven Bestimmungsgründe der Preise. 141 
dingungen der Produktion aus. Wenigstens ist dies im letztver- 
flossenen Jahrhundert überwiegend der Fall gewesen, wo so durch- 
greifende Umwälzungen aller Produktionsmethoden stattgefunden haben. 
Zur Produktion rechnen wir hier wie immer auch den Transport. Die 
Umwandlung der technischen Methoden ist auf diesem Gebiete besonders 
hervortretend und hat auch die weitgehendste Bedeutung für die ganze 
Preisbildung gehabt. Wir haben es hier mit so allgemein bekannten 
Tatsachen zu tun, daß eine Exemplifizierung unnötig erscheint. Die 
Rückwirkung der Preisbildung ‚auf die Wahl der Produktionsmethode 
ist schon bei der Aufstellung der supplementären Prinzipien der Preis- 
bildung beleuchtet. Sie spielt natürlich ihre wichtigste Rolle in den 
Fällen, wo das Substitutionsprinzip zur Anwendung kommt. 
Kommen wir schließlich zu den Produktionsmitteln, so kann 
es keinem Zweifel unterliegen, daß die mehr oder weniger reichliche 
Versorgung der Tauschwirtschaft mit ihnen einen wesentlichen Einfluß 
auf die Preisbildung ausübt. Dieser Einfluß macht sich direkt fühlbar, 
sobald beträchtliche Veränderungen im Angebot der Produktionsmittel 
stattfinden. 
Daß solche Veränderungen auch tatsächlich in Betracht kommen, 
ist beim Studium des wirklichen Wirtschaftslebens besonders in be- 
zug auf die von der Natur dargebotenen Rohmaterialien ohne weiteres 
klar. Veränderungen der Mengen der zur Verfügung stehenden Pro- 
duktionsmittel wirken auf die Preisbildung teils direkt durch ihren Ein- 
fluß auf die relative Knappheit der Produktionsmittel, teils aber auch 
indirekt durch ihren Einfluß auf die Wahl der Produktionsmethode. 
Wenn zwei Produktionsmittel miteinander konkurrieren und also das 
Substitutionsprinzip zur Geltung kommt, so kann eine verschärfte 
Knappheit des einen Produktionsmittels mehr oder weniger vollständig 
durch eine stärkere Inanspruchnahme des zweiten ausgeglichen werden, 
Die Wirkung auf die Preisbildung erstreckt sich dann auch auf das zweite 
Produktionsmittel, wird aber vielleicht in bezug auf das Produkt sehr 
abgeschwächt, zuweilen sogar ganz ausgeglichen. Das letzte kann natür- 
lich besonders leicht der Fall werden, wenn die Menge des zweiten Pro- 
duktionsmittels gleichzeitig vermehrt wird. Es können also in der 
Versorgung der Tauschwirtschaft mit Produktionsmitteln sehr wohl 
Veränderungen eintreten, die nur eine verhältnismäßig kleine oder gar 
keine Wirkung auf die Preisbildung für fertige Güter haben. Die Möglich- 
keit, ein und dasselbe Bedürfnis auf mehreren verschiedenen Wegen zu 
befriedigen, übt überhaupt eine stabilisierende Wirkung auf die Preise 
aus. Als Beispiel kann die Befriedigung des Beleuchtungsbedürfnisses 
dienen: eine steigende Knappheit, sagen wir des Petroleums, wird den 
Preis der Beleuchtung nicht wesentlich beeinflussen, da so viele andere 
Beleuchtungsmethoden zur Verfügung stehen, um die Lücke auszufüllen. 
Nicht einmal der Preis des Petroleums wird dabei allzusehr gesteigert
	        
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