Full text : Theoretische Sozialökonomie

$ 21. Zur Entwicklungsgeschichte der Zinstheorie. 55
deutenden Einfluß auch noch auf die Einkommensverteilung in der
folgenden Generation. Bis zu einem gewissen Grade kann offenbar
die Gesellschaft durch ihre allgemeine Erziehungsarbeit und speziell
durch Übernahme von Kosten der genannten Art diesen Einfluß ausgleichen.

Das praktische Problem der Verteilung des Gesamtergebnisses der
tauschwirtschaftlichen Produktion ist also durch die Preisbildung durchaus
 nicht vollständig bestimmt, sondern enthält verschiedene, außerhalb
der Preisbildung stehende Momente, welche Möglichkeiten für eine bewußte
 Regulierung dieser Verteilung eröffnen. Jeder Schluß von der
Notwendigkeit der Preisbildung auf eine angebliche Notwendigkeit der
bestehenden Verteilung wäre also unberechtigt, folglich auch jeder
Versuch, auf Grund unserer Theorie der Preisbildung eine „natürliche
Harmonie‘ des Wirtschaftslebens zu konstruieren, verfehlt. Die allt
gemeine Sozial- oder Wirtschaftspolitik hat ein viel weiteres Gebieals
 die eigentliche theoretische Ökonomie. Diese hat ihre Aufgabe in
der Erklärung der Preisbildung. Eine allgemeine Theorie der Sozialpolitik
 ist erst auf Grund einer streng durchgeführten ökonomischen
Theorie möglich. Sie hat aber darüber hinaus noch Aufgaben, die die
theoretische Ökonomie nicht entscheiden kann, die eben die Erweiterung
des Problems der Preisbildung oder der „Zurechnung‘“ zum allgemeinen
sozialen Verteilungsproblem bezeichnen. Eine allgemeine Theorie der
Sozialpolitik müßte natürlich auch teilweise mit anderen Methoden
und Begriffsbestimmungen arbeiten. Für sie wäre es vielleicht z. B. angemessen,
 die Einkommensarten zunächst als die beiden Hauptkategorien
 „Besitzeinkommen“‘‘ und „Arbeitseinkommen“‘ zu unterscheiden
und ihre Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Möglichkeiten einer
günstigen Beeinflussung dieser Einkommen und deren Verteilung zu
richten. Die theoretische Ökonomie kann nicht solche Wege einschlagen.
Ihre spezielle Aufgabe fordert, daß sie die Erklärung der Natur der
verschiedenen Einkommensarten zur Hauptsache macht. Sie muß deshalb
 die Einkommensarten nach ihrer vom Gesichtspunkt der Preisbildung
 verschiedenen Natur einteilen und daher muß sie wie schon
bemerkt immer wieder auf die alte Haupteinteilung in Arbeitslohn,
Grundrente (einschließlich Preise der Naturmaterialien) und Kapitalzins
 zurückkommen. Sie muß ihre Aufmerksamkeit besonders auf die
richtige Charakterisierung dieser Einkommensarten und der entsprechenden
 Produktionsfaktoren sowie auf das Studium der Bestimmungsgründe
 der Preise dieser Produktionsfaktoren richten. Dies
ist die Aufgabe der folgenden Kapitel dieses Buchesy

1E&'
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.