21. Zur Entwicklungsgeschichte der Zinstheorie.
arlehnsgeber durch Gewährung des Darlehens erlitten hatte, wurde an-
erkannt und als „Interesse‘ bezeichnet, ein Wort, das noch in moder-
nen Sprachen mit „Zins“ gleichbedeutend ist. (Engl. Interest, m
Interet.) Da dies ‚Interesse‘ schließlich auch für den Fall anerkann
wurde, daß der Darlehnsgeber durch andere Anlagen seines Geldes
inen Gewinn hätte machen können, mußte doch schließlich die Ein-
sicht in die Wesensgleichheit des Darlehenszinses mit dem Zins, den
as Kapital in gewinnbringenden Geschäften abwirft, durchdringen.
jese Einsicht mußte auch durch die Gewohnheit, feste Bodenrenten zu
erkaufen, befördert werden, denn in dieser Form konnte der Landwirt
immer Kapitalien für bessere Bewirtschaftung seines Bodens gegen
ahlung einer Rente, die in Wirklichkeit nichts anderes als ein Zins
war, aufnehmen. In Deutschland, wo die Rentenkäufe sehr allgemein
aren, hat der Sprachgebrauch auch mit dem Wort „Zins“ (cen-
sus = Rente) jede als berechtigt anerkannte Zahlung für ein Darlehen
bezeichnet. Der Streit zwischen den unabweislichen Bedürfnissen des
raktischen Lebens und den spitzfindigen Unterscheidungen der kano-
nistischen Scholastik sollte jedoch noch Jahrhunderte dauern, ehe die
esentliche Einheitlichkeit der verschiedenen Formen des Zinsnehmens
allgemein anerkannt wurde und damit ein Grund, auf welchem eine
issenschaftliche Zinstheorie allmählich erwachsen konnte, gewonnen
ar. Diese Periode war aber auch zugleich die Durchbruchszeit de
reiheit des Denkens. Die Berufung auf die Autoritäten des Mittel-
alters mußte jetzt weichen, zunächst in der merkantilistischen Periode
vor den Diskussionen über die praktischen Vorteile und Nachteile einer
Herabsetzung des Zinsfußes, dann unter dem Einfluß des _Liberalismu ;
vor wirklichen Untersuchungen über die Bestimmungsgründe des Zins-
fußes in einem freien Verkehr.
Die Staatsgewalt, die mit dem Anfang der neuen Zeit der Herrschaft
er Kirche folgte, suchte der Ausbeutung in der Form des Zinsnehmens
urch Feststellung einer gewissen Maximalhöhe des Zinsfußes eine
renze zu setzen. Diese Politik mußte natürlich ständige Diskussionen
über die angemessene Höhe des Zinsmaximums veranlassen und somit
ntersuchungen über die Wirkungen eines hohen oder niedrigen Zins-
ußes befördern, wodurch immerhin eine gewisse Einsicht in_die Be-
deutung des Zinsfußes für das Wirtschaftsleben gewonnen wurde. Das
Nachdenken über die Einwirkung des Zinsfußes auf andere Faktoren
es Wirtschaftslebens mußte aber auch allmählich die Tatsache klar
werden lassen, daß diese anderen Faktoren auch ihrerseits den Zinsfuß
estimmen, daß der Zinsfuß eine rein wirtschaftliche Erscheinung ist
über welche die Politik nicht nach Belieben verfügen kann. In Englan
war diese Auffassung des Zinses schon am Ende des 17. Jahrhunderts
mit großer Klarheit entwickelt worden. Mit dem Durchbruch der liberal-
jet großer Kl Theorie im 18. Jahrhundert wurde die Behandlung d
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