Kap. VI. Der Kapitalzins.
kauft, um sich die allmählich einfließenden Mieten zunutze zu machen.
Die Arbeiter erhalten nun unmittelbar nach Fertigstellung des Hauses
das Entgelt ihres Einsatzes in der Produktion, der andere nimmt das
Warten als eine spezielle Aufgabe auf sich.
Was hier mit Hinsicht auf ein Wohnhaus gesagt ist, gilt natürlich
ebenso für jedes andere dauerhafte Gut. Ob seine Dienste für unmittel-
bare Bedürfnisbefriedigung oder für die Produktion in Anspruch ge-
nommen werden, ist dabei gleichgültig. Der Fabrikant, der eine
Maschine kauft, muß auch auf Vergeltung seiner Aufopferung warten,
bis die Maschine ihre sämtlichen Nutzungen als produktive Leistungen
in seiner Fabrik abgegeben hat. In manchen Fällen überläßt auch der
Produzent die Funktion des Wartens einem anderen und begnügt sich,
ähnlich wie ein Wohnungsmieter, das betreffende dauerhafte Gut zu
mieten: Fabrikanten mieten Werkstätten, Kaufleute Geschäftsräume,
sogar große Eisenbahnen mieten zuweilen Wagen.
Die Funktion des Wartens auf die Dienste, die ein dauerhaftes
Produkt in seiner Lebenszeit abzugeben imstande ist, ist also eine
notwendige Voraussetzung dafür, daß das Gut produziert werden soll.
Wenn weder die Produzenten selbst noch irgendein anderer Mensch
dieses Warten übernehmen will, dann wird auch die Produktion als
wirtschaftlich unmöglich unterbleiben. Wer diese Funktion auf sich
nimmt, ist von untergeordneter Bedeutung, die Hauptsache ist, daß sie
von jemand übernommen werden muß. Um diese Funktion übernehmen
zu können, muß man aber über ein gewisses Kapital im abstrakten
Sinne verfügen, nämlich eben ein Kapital, das den Produktionskosten
des Gutes entspricht. Wer ein Wohnhaus nach der Fertigstellung des-
selben kauft, muß die Kaufsumme bereithaben. Er bezahlt diese Summe
an die Erbauer des Hauses, die dann nach Belieben darüber verfügen.
Selbst hat er einstweilen sein Kapital im Hause „gebunden“. Der
Preis des Hauses repräsentiert also das darin gebundene Kapital. Das
Warten auf die Dienste eines dauerhaften Gutes erfordert also eine
gewisse Kapitaldisposition. Diese Kapitaldisposition ist folglich eine
notwendige Bedingung der Produktion. Wo nicht die nötige Kapital-
disposition zum Warten auf die Dienste eines dauerhaften Produktes
gefunden werden kann, da kann das Produkt wirtschaftlicherweise auch
nicht hergestellt werden. Wenn man sich im voraus die Frage stellt,
ob ein gewisses dauerhaftes Gut produziert werden soll oder nicht,
dann muß man damit rechnen, daß das wirtschaftliche Ziel einer solchen
Produktion in der Gewinnung der Dienste des Gutes liegt, und dieses
Ziel läßt sich nur erreichen, wenn man über die zum Abwarten dieser
nach der Natur der Sache notwendig sukzessiven Dienste nötige Kapital-
disposition verfügt bzw. eine begründete Hoffnung hat, daß jemand,
wenn der technische Produktionsprozeß abgeschlossen ist, diese Ka-
pitaldisposition zur Verfügung stellen wird. Die genannte Kapital-
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