Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 22. Die Kapitaldisposition als Produktionsfaktor. 183 
Der Umstand, daß die Produktion Zeit beansprucht, macht also die 
Disposition eines gewissen, meistens während der ganzen Produktions- 
periode steigenden Kapitals notwendig. Das erforderliche Kapital ist 
in jedem Augenblick gleich dem Wert des Produkts. 
In gewissen Fällen kann das Produkt schon auf früheren Stadien 
zur Bedürfnisbefriedigung dienen, man erhält aber ein besseres oder 
größeres Produkt, wenn man noch etwas wartet. Dies gilt besonders 
für unsere Wälder. Man kann einen Baum jetzt verwenden, man kann 
ihn aber auch noch zehn Jahre wachsen lassen. Dies erfordert aber 
die Disposition eines gewissen Kapitals, das dem jeweiligen Verkaufs- 
preis des Baumes entspricht. Dieses Reifenlassen, das auch unter 
anderen Verhältnissen, z. B. für den Wein in den Weinkellern, eine Rolle 
spielt, ist also als eine Quelle des Bedarfs an Kapitaldisposition zu 
betrachten. 
Die Weizenernte könnte gleich im Herbst, wenigstens in wesent- 
lich größerem Umfang als es geschieht, konsumiert werden, würde aber 
dann nicht für den Bedarf des späteren Teiles des Erntejahres aus- 
reichen. Man wirtschaftet aber mit der Ernte und verteilt die Konsum- 
tion derselben einigermaßen gleichmäßig über das ganze Jahr. Dies 
erfordert aber die Disposition eines gewissen Kapitals gleich dem je- 
weiligen Gesamtpreis des noch übrigen Weizenvorrats. Dieses nötige 
Wirtschaften mit einem Vorrat, der für eine gewisse Zeit ausreichen 
muß, bildet also auch eine Quelle des Bedarfs an Kapitaldisposition. 
Diese beiden letztgenannten Quellen des Bedarfs an Kapitaldisposi- 
tion brauchen aber nicht als selbständig aufgefaßt zu werden, sondern 
sind unter dem allgemeinen Bedarf aufzuführen, der durch den Um- 
stand, daß die Produktion Zeit beansprucht, bedingt ist. Denn wir 
rechnen doch den Produktionsprozeß bis zu dem Moment, wo die Pro- 
dukte an die Konsumenten übergehen. 
Unsere Aufteilung der Kapitaldisposition in diejenige, die erforder- 
lich ist, weil die Ausnutzung der dauerhaften Güter Zeit erfordert, und 
diejenige, die erforderlich ist, weil die Produktion im technischen Sinne 
Zeit beansprucht, entspricht, wie man findet, der Aufteilung des Real- 
kapitals in festes und bewegliches Realkapital ($ 5). 
Beim Studium der statischen Wirtschaft ($ 5) haben wir gefunden, 
daß zur Aufrechterhaltung derselben eine stetige Reproduktion des 
Realkapitals notwendig ist. Diese Reproduktion setzt natürlich in der 
Tauschwirtschaft voraus, daß die verschiedenen konkreten Güter, die 
das Realkapital ausmachen, Preise behaupten, die ihren Produktions- 
kosten entsprechen, daß also die zur Übernahme desselben nötige Kapital- 
disposition immer zur Verfügung gestellt wird. Da die beiden Teile 
des Realkapitals, das bewegliche und das feste, selbst unverändert 
erhalten werden, fordern sie entsprechend den beiden oben bezeichneten 
Hauptauellen des Bedarfs an Kapitaldisposition bei konstanten Preisen 
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