Full text: Theoretische Sozialökonomie

= Kap. VI. Der Kapitalzins. 
Diensten auszuüben. Eine Preisbildung für die Dienste der Eisenbahnen 
und ähnlicher Anlagen, die nur die laufenden Kosten berücksichtigen 
und grundsätzlich von einer Deckung der festen Kosten, also speziell 
der Zinsen, absehen wollte, ist zuweilen als ein wirtschaftliches Ideal 
dargestellt worden. Einen solchen Standpunkt kann aber nur der Ver- 
fechten, dem es nie klar geworden ist, daß die Preisbildung eine sozial- 
ökonomische Aufgabe in der Begrenzung der Ansprüche der Konsumtion 
hat und von dieser Aufgabe wesentlich bestimmt wird. 
So weit ruht unsere Erklärung der Notwendigkeit des Zinses 
ausschließıich auf dem Prinzip der Knappheit. Es muß aber jetzt auch 
beachtet werden, daß ein gegebenes Ziel der Produktion oft unter Vver- 
schiedener Ausdehnung des Gebrauchs von dauerhaften Gütern erf- 
reicht werden kann, daß mit anderen Worten der Bedarf an Kapital- 
disposition durch die Nachfrage der Konsumenten nicht vollständig 
bestimmt ist, sondern auch in gewissem Umfang von der Wahl der Pro- 
duktionswege abhängt. Die Kapitaldisposition kann in der Tat, wie 
schon in 8 22 angedeutet, für gewisse Zwecke und in gewisser Ausdehnung 
andere Produktionsmittel ersetzen. Wir haben also die Substitution von 
Kapitaldisposition für andere Produktionsfaktoren zu untersuchen und 
dabei speziell die Bedeutung des Zinsfußes selbst festzustellen. Erst in 
dieser Weise werden wir einen vollständigen Einblick in die Art der 
Abhängigkeit der Nachfrage nach Kapitaldisposition vom Zinsfuß 
gewinnen. 
Kapitaldisposition kann nicht nur für Arbeit, sondern auch für die 
Benutzung von Grund und Boden und für die Rohmaterialien der Natur 
substituiert werden. Wenn z. B. der Boden so hoch in Preis steht, daß 
es billiger wird, eine Untergrundbahn zu bauen als das teuere Bau- 
terrain zu kaufen, findet tatsächlich eine Substitution von Kapital- 
disposition für Bodenbenutzung statt. Nehmen wir an, die jährlichen 
Unterhalts- und Erneuerungskosten seien für die beiden alternativen 
Linien dieselben, dann wird offenbar die für die obere Linie zu zahlende 
jährliche Bodenrente durch die Zinsen des für die Untergrundlinie er- 
forderlichen Extraanlagekapitals, die Bodennutzung selbst durch eine 
gewisse Menge Kapitaldisposition ersetzt. Wenn dagegen die Unter- 
grundlinie in einer Gegend, wo die Bodenpreise keine Rolle spielen, 
deshalb vorgezogen wird, weil die Verkehrskosten auf dieser Linie 
etwa durch Ersparen von Kohlen und Zeit billiger werden, dann be- 
deutet unter im übrigen gleichen Voraussetzungen die Wahl der Unter- 
grundlinie eine Substitution von Kapitaldisposition für sämtliche Pro- 
duktionsfaktoren, die an den Extraverkehrskosten der anderen Linie 
Anteil haben, also für Materialien, wie Kohle, für Arbeit des Zug- 
personals usw. 
‚ Wie weit Kapitaldisposition in dieser Weise für andere Produktions- 
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