8 28. Die Entwicklung der Rententheorie. 339
nissen gewonnen werden kann, wird vermindert, d. h. die Rente, in
Produktenmenge gerechnet, sinkt!). Da hierbei das Grenzprodukt
mit geringeren Kosten als früher hergestellt wird und also der Preis
fällt, sinkt die in Geld ausgedrückte Rente noch stärker.
Ricardo zieht aus seinen Untersuchungen den Schluß, daß eine
Steuer auf die reine Bodenrente ganz auf den Grundherrn fallen muß
und nicht von diesem auf andere übergewälzt werden kann. Er hätte
nämlich keine Möglichkeit, seine Renten zu erhöhen, da der Unterschied
im Produkt zwischen dem Boden niedrigster Qualität und dem Boden
irgendeiner höheren Qualität unverändert sein würde. Die Renten-
steuer würde auch keine Preissteigerung des Produkts herbeiführen, da
dasjenige Produkt, das unter den schlechtesten Bedingungen produziert
wird und den Preis bestimmt, keine Rente zahlt und folglich auch nicht
von der Steuer getroffen wird.
Ricardo nimmt an, die Bebauung eines Landes beginne immer
mit dem besten Boden: erst mit steigender Bevölkerung muß auch
Boden niedrigerer Qualität in Anspruch genommen werden. ‚Diese Vor-
aussetzung braucht nur zu bedeuten, daß Boden, der unter ‚den je-
weilig herrschenden Bewirtschaftungsverhältnissen als der beste be-
trachtet wird, zuerst in Anspruch genommen werden muß. Das hindert
aber nicht, daß später andere Bodenqualitäten als die ergiebigsten be-
funden werden. Für die Analyse der Bodenrente spielt dieses Verhältnis
keine Rolle, wohl aber macht es die Ricardosche Annahme, daß mit
steigender Bevölkerung beständig Boden schlechterer Qualität bebaut
werden muß, etwas zweifelhaft.
Hauptsächlich im Anschluß an diese Grundrententheorie Ricardos
und unter dem Einfluß der ganz enormen Wertsteigerung des land-
wirtschaftlichen Bodens in England entwickelte sich eine der Grundrente
des Privatbesitzes feindlich gegenüberstehende Richtung, unter deren
englischen Vertretern Stuart Mill in erster Linie zu nennen ist. In
den Vereinigten Staaten, wo mit_der rasch steigenden Bevölkerung
eine überaus starke Grundrentenbildung stattfand und auch eine
Bodenspekulation in_ größtem Maßstab_sich entwickelte, fand diese
*) Dieser Schluß hängt natürlich davon ab, was man in die Voraussetzung stei-
gender Fruchtbarkeit hineinlegt. Denkt man sich alle Produktenmengen mit dem-
selben absoluten Betrag vermehrt, muß die in Produkteneinheiten gerechnete Rente
absolut sinken. So rechnet Ricardo in seinen Beispielen (vgl. p. 42—43). Denkt
man sich dagegen, daß alle Produktenmengen in derselben Proportion steigen, so
muß auch die Differenz zwischen zwei bestimmten Produktenmengen in derselben
Proportion steigen, was natürlich dem absoluten Sinken der Rente entgegenwirkt.
Das Verhältnis dieser Differenz zur größeren Produktenmenge muß dann unverändert
sein. Die Rente, betrachtet als relativer Anteil des Bodenbesitzers am Ertrag des
besseren Bodens, muß also jedenfalls bei einer in diesem Sinne steigenden Frucht-
barkeit sinken. 7So scheint Ricardo an anderen Stellen zu verstehen zu sein (vgl.
p. 44. 246, 252)
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