270 Kap. VII. Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien.
wendigkeit, die relative Versorgung von Zukunft und Gegenwart mit
aturmaterialien im Anschluß an den herrschenden Zinsfuß zu regu-
lieren. Ähnlich wie eine sozialistische Gesellschaft das Tempo des
wirtschaftlichen Fortschritts gewissermaßen zu wählen hat und dami
erst die Bedingung, unter welcher der Zinsfuß bestimmt wird, fixiert
so ist auch die zeitliche Verteilung der zur Verfügung stehenden Natur-
materialien für die isolierte Gesellschaft, die diese Materialien in ihrer
Hand hat, von vornherein ein unbestimmter Faktor, den die Gesellschaf
nach eigenem Ermessen zu fixieren hat, die Preisbildung also nicht
eher ein bestimmtes Problem, bevor diese Wahl getroffen ist.
Als die allgemeine sozialökonomische Aufgabe der Preisbildung
haben wir die Regulierung der Nachfrage in Übereinstimmung mit de
ur Verfügung stehenden Mitteln zu ihrer Befriedigung bezeichnet. Mit
Bezug auf die Naturmaterialien bekommt die Preisbildung, wie wir
jetzt gesehen haben, gewissermaßen noch eine weitere spezielle Auf-
gabe, nämlich die, eine angemessene zeitliche Verteilung ‚des Ver-
brauchs herbeizuführen, die Nachfrage so zu beschränken, daß ein ge-
wisser Grad von Gleichmäßigkeit in ihrer Versorgung wenigstens für
eine gewisse Zeit gewonnen wird. In den Fällen, wo die Vorräte de
atur streng begrenzt sind, läßt sich diese Aufgabe allerdings nu
in sehr relativem Sinne lösen. Sie hat, wie wir finden, überhaupt nicht
dieselbe Bestimmtheit wie die allgemeine Aufgabe der Preisbildung.
Unter unseren tatsächlich gegebenen Wirtschaftsverhältnissen wird
die Knappheit der Naturmaterialien wesentlich durch die oben an-
gegebenen objektiv-ökonomischen Faktoren bestimmt. Jedoch ist ein
ingreifen des Staates zum Schutz des Interesses der Zukunft ode
wenigstens zu einer Steigerung der gegenwärtigen Preise und als
jedenfalls zur Regelung der zeitlichen Verteilung des Verbrauches nicht
ngewöhnlich. Schon gewisse Steuermaßnahmen, wie z. B. die Be-
steuerung des Salpeterexports durch den Chilenischen Staat, haben
eine solche Wirkung. Aber auch mehr direkt kann die Politik auf ein
solches Ziel eingerichtet sein, wie z. B. die Regulierung des Eisenerz-
exports von Schweden zeigt. Die gegenwärtige Knappheit der Natur-
materialien ist unter solchen Verhältnissen gewissermaßen eine durch
reiwillige Maßnahmen herbeigeführte.
Die Knappheit der Naturmaterialien hängt nicht nur vom Grad der
Ausnutzung der Fundstätte ab, sondern ist auch von der Ausdehnung
des Abbaus auf Fundstätten verschiedener Ergiebigkeit bedingt. Wenn
wei Eisengruben mit derselben Erzqualität ein Hochofenwerk ver-
orgen, müssen die Preise der in den Gruben vorkommenden Erze so
geregelt werden, daß die Erze am Hochofen denselben Preis bekommen,
der Preisunterschied also den Unterschied in Gewinn- und Transport
kosten deckt. Sind nur diese zwei Gruben vorhanden, so muß das Er
im Naturzustande auch in der vom angegebenen Gesichtspunkt schlech