Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 31. Die Preisbildung der Naturmaterialien. 2] 
teren Grube einen Preis tragen, wenn nur bei einem entsprechend hohen 
Preis der Erze am Werke eine hinreichende Beschränkung der Nach- 
frage erreicht werden kann. Die Intensität des Abbaues ist dabei für 
beide Gruben nach den oben angegebenen Gründen durch den Preis am 
Werke bestimmt. Obwohl also hier das Differentialprinzip in der Preis- 
bildung der Erze der verschiedenen Gruben sich geltend macht, tragen 
diese beiden Erzpreise wesentlich den Charakter eines Knappheitspreises. 
Ist wieder eine Menge verschiedener Gruben vorhanden und nehmen 
wir an, daß der Preis am ‚Werke eben die Kapital- und Arbeitskosten 
der Erze der unvorteilhaftesten, also der „letzten‘‘ der tatsächlich be- 
nutzten Gruben deckt, dann ist der Preis des Erzes in dieser Grube 
gleich Null und in den übrigen Gruben gleich der Differenz, mit welcher 
die Kapital- und Arbeitskosten in denselben die Kapital- und Arbeits- 
kosten in der „letzten‘ unterschreiten. Dies hindert natürlich nicht, 
daß die Preise der Erze in diesen Gruben in erster Linie Knappheits- 
preise darstellen, die von der Knappheit der Versorgung der Nachfrage 
bedingt sind. Wollte man hier nach der Analogie mit der gewöhnlichen 
Bodenrententheorie schließen, so müßte man behaupten, daß der Preis, 
der für die Erze im Naturzustand bezahlt wird, nicht in den Werkpreis, 
folglich auch nicht in den Preis der verschiedenen Eisenprodukte ein- 
gehe. Denn der Erzpreis am Werke ist doch lediglich von den Kapital- 
und Arbeitskosten der ‚letzten‘ Grube, wo man für das Erz nichts zahlt, 
bestimmt. Gegen die formelle Richtigkeit einer solchen Behauptung 
wäre ebensowenig, gegen die ganze Darstellung des Preisbildungs- 
prozesses, die in derselben zum Ausdruck käme, aber ebensoviel wie im 
Falle der Bodenrente einzuwenden. Jedenfalls muß der Versuch Mar- 
shalls, einen Unterschied zwischen den beiden Fällen aufrecht- 
zuerhalten und die Preise, die für die Materialien in der Natur bezahlt 
werden, als Teil der Produktenpreise, die Preise, die für die Benutzung 
des Naturbodens bezahlt werden, dagegen nicht als solchen anzu- 
erkennen, als verfehlt betrachtet werden!). Daß aber auch Marshall 
die Preise der Naturmaterialien im Naturzustand als integrierende Teile 
der Produktpreise sich anzuerkennen veranlaßt findet, ist sehr lehr- 
reich. Denn damit ist doch seiner ganzen dualistischen Darstellung 
des Preisbildungsproblems der Grund entzogen. Der Preis der Natur- 
materialien ist ein reiner Knappheitspreis, der durch keine Anstrengung 
oder Aufopferung motiviert ist. Wenn ein solcher Preis als Teil der 
Produktionskosten anerkannt werden muß, kann der Marshallsche 
Begriff der Produktionskosten nicht länger aufrechterhalten werden. 
Die Notwendigkeit des allgemeinen und objektiven Produktionskosten- 
begriffs, der der vorliegenden Darstellung der theoretischen Ökonomie 
zugrunde gelegt ist, tritt dann klar zutage. 
ı) Principles, Book V, Ch. VHS 4: 
27
	        
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