Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 32. Die Preisbildungstheorie Ricardos und die sozialistische Wertlehre. 273 
Eisenerzen ökonomisch ermöglicht. Es liegt auf der Hand, welche wesent- 
liche Bedeutung alle solche Fortschritte für die Versorgung der zivili- 
sierten Menschheit mit den Materialien der Natur haben. Denn an 
ärmeren Erzen oder allgemeiner an Materialien niedriger Qualität 
hat die Natur meistens einen ziemlich großen Überfluß. 
Achtes Kapitel. 
Der Arbeitslohn. 
$ 32. Die Preisbildungstheorie Ricardos und die 
Sozialistische Wertlehre. 
Wenn man die verwirrende Menge entgegengesetzter aber schwan- 
kender und unklarer Anschauungen über das Problem des Arbeitslohns, 
die in der Gegenwart nicht nur in der politischen und sozialen Dis- 
kussion, sondern auch in den wissenschaftlichen Untersuchungen her- 
vortreten, kritisch überblicken will, zeigt es sich in ganz besonderem 
Grade notwendig, auf die Preisbildungstheorie Ricardos zurück- 
zugreifen, in der so viele der Entwicklungslinien des modernen wirt- 
schaftlichen Denkens ihren Ausgangspunkt haben.‘ Wir haben früher 
schon mehrmals auf diese Theorie Bezug genommen. Erst jetzt sind 
wir aber in der Lage, von ihr ein vollständigeres Bild gewinnen zu 
können‘). 
Um die Ricardosche Preisbildungstheorie richtig verstehen zu 
können, muß man sich zuerst daran erinnern, daß sie eine Produktions- 
kostentheorie sein will, und daß eine solche logisch nur dann möglich 
ist, wenn nur ein einziger Produktionsfaktor zu berücksichtigen ist, 
oder wenn wenigstens die verschiedenen mitwirkenden Produktions- 
faktoren Preise haben, die im Verhältnis zueinander von vornherein ge- 
geben und fest sind. Denn sonst muß jede Produktionskostentheorie 
die Frage offen lassen, wie die Verhältnisse der Preise der Produktions- 
Faktoren untereinander bestimmt werden, -und kann also niemals eine 
in sich abgeschlossene vollständige Preisbildungstheorie bilden. Ricardo 
hat sich also die Aufgabe gestellt, die verschiedenen in der wirklichen 
Produktion mitwirkenden Faktoren auf einen einzigen zurückzuführen, 
um so die ganze Preisbildung der Waren durch ihre Produktionskosten 
erklären zu können. 
1) Vgl. Cassel: Die Produktionskostentheorie Ricardos, Zeitschrift für die 
gesamte Staatswissenschaft, 1901, p- 68 u. ff. 
Cassel. Theoret, Sozialökonomie. 4. Aufl 
18
	        
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