$ 33. Die pessimistischen Lohntheorien, )
Lohnsystems werden am besten im einzelnen klargelegt durch das Studium
derjenigen Faktoren, die den Arbeitslohn in der heutigen Gesellschaft
regulieren. Wir werden finden, daß eine sozialistische Gesellschaft
andere Löhne nur unter der Voraussetzung bezahlen könnte, daß
sie eine die Zahlung solcher Löhne gestattende Marktlage herbeizuführen
vermöchte. Wir werden auch finden, daß auf dem rein theoretischen
Gebiete die Lehre von der ‚Arbeit‘ als einem einheitlichen Produktionsfaktor
viel Unheil gestiftet hat. Einige der allerwesentlichsten
Seiten der Lohntheorie lassen sich überhaupt nur verstehen, wenn man
die Verschiedenheit der Arbeit schon von vornherein berücksichtigt.
Eine moderne Preisbildungslehre muß überhaupt der relativen Preisbildung
für verschiedene Arten von Arbeit eine ganz besondere Aufmerksamkeit
widmen. Auf diesem Gebiete liegt ja doch ein sehr wesentlicher
Teil des modernen sozialen Interessenkampfes, vor allem natürlich
der Gegensatz zwischen Lohnarbeit und Unternehmer- oder Betriebsleitungsarbeit,
aber auch derjenige zwischen geistiger und körperlicher
Arbeit, ferner in Wirklichkeit auch, obwohl meistens nicht so
offen anerkannt, derjenige zwischen verschiedenen Arten von körperlicher
Arbeit.
$ 33. Die pessimistischen Lohntheorien.
Die Entwicklung der Arbeitslohntheorien in der ersten Hälfte des
neunzehnten Jahrhunderts ist in hohem Grade von einer Vorliebe für
allgemeine bis aufs äußerste vereinfachte, gern arithmetisch ausgedrückte
Formeln, für die man die Autorität Ricardos in Anspruch
nahm, beherrscht.
Nach Ricardo wird das auf der Grenze des Anbaus hergestellte
Produkt zwischen Kapital und Arbeit geteilt. Diese Teilung wird in
jedem Augenblicke von der Marktlage bestimmt. Der Anteil des Arbeiters,
der Arbeitslohn, ist also zunächst von der Marktlage beherrscht.
Es gibt aber auch einen Normalpreis der Arbeit, der von ihren Produktionskosten
bestimmt wird. Dieser Normalpreis oder „natürliche
Arbeitslohn“ ist gleich den Kosten des Unterhalts des Arbeiters und
seiner Familie, Für diese Kosten ist wieder, nach Ricardo, der gewohnheitsmäßige
Lebensstandard des Arbeiters maßgebend. Wenn der
Marktlohn über dem Normallohn steht, ist der Arbeiter in der Lage, eine
größere Familie zu ernähren, was zu einer Vermehrung des Angebots
von Arbeitskraft führt. Dieses verstärkte Angebot drückt den Marktlohn
herunter, wenn nicht gleichzeitig die Nachfrage nach Arbeitskraft
infolge einer Vermehrung des Kapitals noch stärker gestiegen ist.’ Dies
ist aber in einer fortschreitenden Gesellschaft auch während einer
längeren Zeit möglich. Unter solchen Voraussetzungen kann also der
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