7 Kap. VIII. Der Arbeitslohn,
liche Arbeit, z. B. auf häusliche Dienste, auf die Erzeugnisse der Kunst-
gewerbe usw. gerichtet, während die großen Massen vorzugsweise
eben Massenartikel, die mit Hilfe einer ausgeprägten Maschinentechnik
erzeugt werden, konsumieren. Eine demokratische Einkommensver-
teilung dürfte von diesem Gesichtspunkt in der Richtung einer relativen
Stärkung der Nachfrage nach Kapitaldisposition, also einer relativen
Schwächung der Nachfrage nach Arbeit wirken.
Sehen wir von Schwankungen in dieser allgemeinen Verteilung
der Nachfrage auf verschiedene Produktionsfaktoren ab, so hängt die
Entwicklung der Gesamtnachfrage nach Arbeit lediglich von der Größe
der gesellschaftlichen Kaufkraft, also des Gesamteinkommens der
Tauschwirtschaft ab. Jeder Umstand, der die Effektivität der gesell-
schaftlichen Produktion steigert, verstärkt dann auch die allgemeine
Nachfrage nach Arbeit und wirkt damit in der Richtung einer Erhöhung
des allgemeinen Lohnniveaus. Insofern hat also ‚die Arbeit“ ein ge-
meinsames, im wirklichen Leben immer sehr aktuelles, obwohl nur zu
oft vergessenes Interesse an der höchstmöglichen Effektivität des ge-
samten Produktionsprozesses. Die Auffassung des Arbeitslohns als
eines bestimmten Anteils am Gesamtergebnis der gesellschaftlichen
Produktion hebt eben diese Abhängigkeit des Arbeitslohns von der Er-
giebigkeit des ganzen gesellschaftlichen Produktionsprozesses hervor.
Wenn die Stärke der gesamten Nachfrage vom Gesamtergebnis
der gesellschaftlichen Produktion bestimmt ist, muß offenbar jede Be-
schränkung der Gesamtmenge der Arbeitsleistungen auch auf die gesell-
schaftliche Nachfrage eine abschwächende Wirkung haben, die wir
nicht außer acht lassen dürfen. Betrachten wir aber eine spezielle Art
von Arbeit, welche im ganzen Produktionsprozeß eine untergeordnete
Rolle spielt, so wird eine Beschränkung des Angebots dieser Arbeit
meistens keinen nennenswerten Einfluß auf das Gesamteinkommen der
Tauschwirtschaft ausüben. Anders, wenn eine Beschränkung etwa der
Gesamtmenge der körperlichen Arbeit der Tauschwirtschaft in Frage
steht: eine solche. Beschränkung wird zwar der körperlichen Arbeit im
Verhältnis zu den anderen Produktionsfaktoren einen relativen Vorteil
bringen, sie bedeutet aber gleichzeitig. eine beträchtliche Beschränkung
des. Volkseinkommens, also der Kaufkraft der Gesamtnachfrage, und
damit eine wesentliche Verschlechterung des Arbeitsmarkts. Es ist
immer zu befürchten, daß diese nachteilige Wirkung jene vorteilhafte
überwiegt.
Aber auch, wenn durch eine bestimmte Beschränkung des Arbeits-
angebots eine gewisse Steigerung der Lohnhöhe für eine gewisse
Kategorie von Arbeit herbeigeführt werden kann, bleibt die Wirkung
auf das Einkommen und die Lebenshaltung.der Arbeiter noch unbe-
stimmt... Eine Beschränkung des Arbeitsangebots kann auf zwei Wegen
erfolgen: entweder durch Beschränkung der Zahl der Arbeiter, oder
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