$ 36. Die Nachfrage nach Arbeit. “5
auch durch eine Beschränkung der durchschnittlichen Arbeitsmenge
pro Arbeiter. Ist die größere Knappheit der Arbeit auf diesem letzten
Wege gewonnen, so ist der etwaigen Lohnsteigerung die Verminderung
der Menge der geleisteten Arbeit gegenüberzustellen. Das Endergebnis
dürfte dann nur in Ausnahmefällen eine Steigerung des Einkommens
sein (vgl. 8 38). Viel günstiger stellen sich offenbar die Aussichten,
durch Beschränkung der Zahl der Arbeiter eine Einkommenssteigerung
für diese Arbeiter, besonders in einem speziellen Berufe, zu gewinnen.
Am allergünstigsten liegen diese Aussichten, wenn die Beschränkung
die Zahl der Arbeiter in einem überfüllten Berufe nicht durch absolute
Verminderung der Gesamtzahl der Arbeiter in der Gesellschaft durchgeführt,
sondern durch eine Überführung von Arbeitern zu Produktionszweigen,
die ihren Bedarf an Arbeitskraft bisher nur unvollständig
haben decken können, und also unter positiver Steigerung der Gesamtproduktion
der Gesellschaft erreicht wird.
So weit sind wir von der Voraussetzung ausgegangen, daß die
Nachfrage nach den fertigen Gütern auch die Nachfrage nach den verschiedenen
Arten und Qualitäten von Arbeiten eindeutig bestimmt. Von
dieser Regel zeigt aber die Wirklichkeit verschiedene Ausnahmen, die
das. Prinzip der Knappheit als Bestimmungsgrund des Arbeitslohns
modifizieren. Dasselbe Produktionsresultat Kann oft auf verschiedenen
Wegen gewonnen werden. Eine bestimmte Art von Arbeit kann dabei
von einer anderen ersetzt werden, oder der Produktionsfaktor Arbeit
kann zum Teil von den anderen Produktionsfaktoren, Boden und
Kapital verdrängt werden. Die Bedingungen und Wirkungen solcher
Substitutionen haben wir hier näher zu untersuchen und beginnen
mit dem Falle einer
Substitution verschiedener Arten und Qualitäten von
Arbeit gegeneinander.
Es findet zunächst eine gewisse Konkurrenz statt zwischen verschiedenen
Berufen, welche in letzter Linie dasselbe Bedürfnis der Konsumenten
befriedigen. So konkurrieren z. B. die Arbeiter, die in der
Produktion und im Aufmauern von Kachelöfen beschäftigt sind, mit
denjenigen Arbeitern, die bei den Zentralheizungsanlagen und in den
für diese arbeitenden Zweigen der Eisenindustrie Beschäftigung finden.
Die in dieser oder jener Gruppe von Arbeitern vorherrschende Lohnhöhe
ist immer ein Faktor in der Konkurrenz zwischen den beiden
Systemen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die hohen Lohnforderungen
der Kachelarbeiter auf einigen Punkten das Vordringen des
Zentralheizungssystems befördert haben. Wo eine derartige Konkurrenz
zwischen verschiedenen Berufen stattfindet, gibt es gewöhnlich Fälle,
wo die beiden in Frage kommenden Methoden gleichwertig sind, und wo
also eine Veränderung der Lohnhöhe auf der einen oder anderen Seite
Cassel, Theoret, Sozialökonomie. 4+ Aufl. >
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