$ 37. Das Angebot von Arbeit als bestimmt durch die Zahl der Arbeiter. 31%
bildung sicher nicht ganz ohne Einfluß auf das Angebot, zunächst also
auf das Angebot von Arbeitern. Der Versuch, den Arbeiter als ein Pro-
dukt zu betrachten, dessen Angebot lediglich davon abhängt, daß die:
Produktionskosten durch das Arbeitseinkommen gedeckt werden, ist
jedoch vollständig verfehlt. Menschen werden nicht aus wirtschaft-
ichen Gründen produziert. Das Resultat der Aufopferungen für das
Aufziehen der neuen Generation fällt größtenteils anderen zu als den-
jenigen, die die Kosten getragen. haben. Die Produktions- und Unter-
haltungskosten von Menschen einer gewissen Effektivität müssen natür-
lich bezahlt werden, werden aber in Wirklichkeit aus dem laufender
olkseinkommen bezahlt, also nicht ausschließlich aus dem Einkommen,
das diese Menschen selbst erwerben, noch weniger mit Notwendigkeit
aus ihrem Arbeitseinkommen. In der fortschreitenden Gesellschaft wird
auch immer mehr für die Aufziehung von Kindern verwendet, als der;
Rückzahlung der Aufziehungskosten der arbeitenden Generationen ent-
sprechen würde. In einer Gesellschaft mit abnehmender Volkszahl
ürde das Umgekehrte eintreten können. Irgendwelcher unmittelbarer,
Zusammenhang zwischen den Produktionskosten der Arbeiter und
ihrem Arbeitsverdienst ist also nicht vorhanden.
Es kann auch nicht behauptet werden, daß immer so viel Arbeiter
produziert werden, als das Arbeitseinkommen der lebenden Generation
möglicherweise gestatten würde, ja nicht einmal, daß ein steigendes
Arbeitseinkommen immer und notwendig eine Steigerung der Produk-
tion von neuen Arbeitern herbeiführt. Die Produktion von neuen:
Arbeitern folgt in Wirklichkeit nicht dem Einkommen der Arbeiter: die
öheren Bevölkerungsschichten, auch die höheren Schichten der eigent--
lichen Arbeiterklasse, haben oft verhältnismäßig wenig Kinder, die
reicheren Völker ebenso. Der Wohlstand einer Gruppe der Bevölkerung
hat überhaupt unter modernen Verhältnissen keinen ausgeprägten Ein-
luß auf die Nativität derselben. Die Wirkung einer Steigerung des
Arbeitseinkommens ist aber insofern kompliziert, als sie, auch wenn sie
eine gewisse Beschränkung der Geburten herbeiführt, doch das Aufziehen
der Kinder erleichtert und insofern eine Tendenz zur Vermehrung des
Angebots von Arbeitern hat. Auch zeigen zufällige und vorübergehende
Steigerungen des Arbeitseinkommens oft eine Einwirkung in der Rich-
ung einer Steigerung der Eheschließungen, also auch der Volksver--
mehrung. Solche Wirkungen können leicht bei Konjunkturschwankun-
gen beobachtet werden. Wir können hier nicht näher auf diese Ver-
ältnisse eingehen. Es soll nur darauf aufmerksam gemacht werden,
daß die Höhe des Arbeitslohns keineswegs diejenige grundlegende Be-
deutung für den Umfang hat, in welchem die Gesellschaft mit neuen
rbeitern versorgt wird, wie man aus theoretischen Gründen zuweilen
at annehmen wollen. Die früheren Ehen der guten Konjunkturen be--
uhen z. B. wahrscheinlich weniger auf den Lohnsteigerungen als auf