Full text: Theoretische Sozialökonomie

; Kap. VIII. Der Arbeitslohn. 
auf ‘die verschiedenen Berufe oder Stufen der Beschäftigung zu be- 
fördern und damit ein unverhältnismäßiges Herabdrücken gewisser 
Arbeitslöhne zu verhindern. Erschwert wird diese Verteilung dagegen 
durch mangelndes Interesse der Eltern, mangelndes Gefühl der Selbst- 
verantwortlichkeit der Jugend und also auch durch alle Maßnahmen 
einer falschen Sozialpolitik oder der Wohltätigkeit, welche diese Ten- 
denzen irgendwie befördern können. 
Die Übersiedlung von Ort zu Ort innerhalb desselben Landes ist 
in unseren Tagen wesentlich erleichtert und auch durch die rationellen 
Atbeitsnachweise direkt befördert. Ist also in dieser Beziehung im Ver- 
hältnis zu früheren Zuständen sehr viel für eine wirtschaftliche Ver- 
teilung der vorhandenen Arbeiter auf verschiedene Orte eines Landes 
getan, so sind jedoch die Hindernisse, die sich gegen eine entsprechende 
Verteilung der Arbeitskraft auf verschiedene Länder oder gar auf ver- 
schiedene Weltteile stellen, immer noch ziemlich groß und üben einen 
nachteiligen Einfluß, nicht nur auf die Lage einzelner Gruppen von 
Arbeitern, sondern auch und vor allem auf die Ergiebigkeit der Welt- 
wirtschaft aus. In dieser Beziehung sind die Verhältnisse nach dem 
Kriege, Dank sei. der kurzsichtigen restriktiven Einwanderungspolitik, 
besonders der Vereinigten Staaten und anderer Kolonialländer, leider 
stark verschlechtert worden. 
Die Abgrenzung der verschiedenen Berufe gegeneinander wird zum 
Teil noch verschärft durch die protektionistischen Bestrebungen , welche 
sich innerhalb der Arbeiterwelt selbst geltend machen. Jede ge- 
schlossene Gewerkvereinspolitik sieht das Hauptmittel zur Hebung der 
Mitglieder des Vereins in einer Beschränkung des Zutritts zum betref- 
fenden Berufe. Aber auch die offene Gewerkvereinspolitik erschwert 
gewissermaßen den Zutritt zum Berufe durch Aufrechterhaltung ihrer 
Forderung auf gewisse normale Arbeitsbedingungen. Auch ohne eine 
eigentliche gewerkschaftliche Organisation kann eine traditionelle Lohn- 
höhe in Verbindung mit einem herkömmlichen Standard der Lebens- 
haltung und der Effektivität das Eindringen von Arbeitern niedrigerer 
Qualität in einen Beruf verhindern. 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung solcher Beschränkungen wird 
immer davon abhängen, ob sie lediglich zufällig abgegrenzten Gruppen 
von Arbeitern zum Vorteil gereichen oder allgemein, wie im vorigen 
Paragraphen ausgeführt, die Nachfrage vorzugsweise auf Arbeiter 
höherer Qualität richten, also solchen Arbeitern den Vorzug bei der Be- 
schäftigung geben, die fortgesetzte Existenz der untersten Schichten 
von minderwertiger Arbeit erschweren und somit zur Erziehung und 
Hebung der Arbeiterklasse beitragen. 
Da die gleichmäßige Verteilung der Arbeiter auf verschiedene 
Stellungen durch so manche Umstände gehemmt wird, muß man er- 
warten, im wirklichen Leben Ungleichmäßigkeiten der Lohnsätze und 
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