8 40. Die Anfänge des Geldwesens. 341
Gewicht von ungefähr 130 grains troy (= 8,4 g). Auch vor der Er-
findung des Wiegens wurde Gold wahrscheinlich in Stücken hergestellt,
die den Wert des Ochsen darstellten. Das Gewichtssystem hat sich
dann einfach dieser Tradition angeschlossen und die erste Gewichtsein-
heit wurde das Stück Gold, das seit alters her als die Goldeinheit be-
trachtet wurde und den Wert eines Ochsen vertrat.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Goldmenge als Zah-
lungsmittel in der noch viel älteren Preisrechnung nach der Ochsenein-
heit gebraucht worden’ ist. Dabei ist die Rechnung in „Ochsen“ noch
lange beibehalten worden, und die Ochsenskala ist in eine rein abstrakte
Rechnungsskala umgewandelt worden, deren Zusammenhang mit ihrem
Ursprung wahrscheinlich für das allgemeine Bewußtsein verloren ge-
gangen ist und nach der die wirklichen Ochsen zu verschiedenen
Preisen gehandelt und in Gold bezahlt wurden. Es ist unter solchen
Verhältnissen nur natürlich, wenn die Goldmenge, die einen Ochsen ver-
trat, mit dem Namen „Ochse“ bezeichnet wurde, und wenn dieser Name
auch beibehalten wurde, nachdem die betreffende Goldmenge die Form
einer Münze erhalten hatte. Das wesentliche der Entwicklung liegt also
darin, daß eine bestimmte Goldmenge, die im Wert dem Ochsen gleich
geschätzt wurde, allgemein als Zahlungsmittel mit bestimmter Zahlungs-
kraft anerkannt wurde. Mit dem Hervortreten der Staatsmacht ist diese
Zahlungskraft auch eine gesetzliche geworden. Unter diesen Verände-
rungen ist der Zusammenhang der Rechnungseinheit mit dem wirklichen
Ochsen aufgelöst worden.
Auch andere Metalle sind als Zahlungsmittel in Quantitäten, die
den früheren Rechnungseinheiten angepaßt waren, benutzt worden. So
in Rom das Kupfer, von dem 100 as dem Wert des Ochsen, 10 as dem
Wert des Schafes gleichgesetzt wurden,
Der Begriff des Geldwesens ist notwendig an das Vorhandensein
einer Rechnungsskala und eines in dieser anerkannten Zahlungsmittels
gebunden. Man könnte darüber streiten, welches von diesen Elementen
des Geldwesens das wichtigste ist. In diesem Sinne könnte wohl die
Rechnungsskala den Vorrang beanspruchen, daß eine Wertschätzung
in einer bestimmten Rechnungseinheit möglich ist und sogar einem
Güteraustausch zugrunde liegen kann, ohne daß ein allgemeines Tausch-
oder Zahlungsmittel zur Anwendung kommt, während die Ausbildung
eines solchen mit Notwendigkeit die allgemeine Benutzung einer Rech-
nungseinheit voraussetzt. Für unser tatsächlich bestehendes Geld-
wesen sind aber beide Elemente ohne Zweifel unentbehrlich, wobei
natürlich ein Vergleich ihrer Wichtigkeit ausgeschlossen ist.
Die Geldtheorie hat meistens ihre Aufmerksamkeit in erster Linie
auf die Analyse des Wesens des Geldes gerichtet. Da aber das Geld
dabei wesentlich als ein materielles Gut aufgefaßt wurde, mußte das