Sn Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw,
diese Goldmünzen unbegrenzte gesetzliche Zahlungskraft hatten. Die
Tatsache, daß die Markwährung durch diese Verbindung mit dem
Metall Gold näher bestimmt wird, ist es, was man durch die Bezeich-
nung der Markwährung als einer Goldwährung ausdrücken will. Ähn-
lich nennt man die englische Pfund-Sterling-Währung, die schwedische
Kronenwährung usw. Goldwährungen.
Die Beziehung zwischen der früheren Markwährung und dem Golde
kann am besten so charakterisiert werden, daß ‘der Preis eines Kilo-
gramm Goldes in der Markskala fixiert ist. Es soll der Preis des Goldes
normal 2790 Mark pro Kilogramm betragen. Diese Fixierung ist in-
dessen keine absolute, der Preis des Kilogramms Gold wird nur innerhalb
gewisser, ziemlich enger Grenzen festgelegt. Die angegebene Bestim-
mung über die Ausprägung von Goldmünzen kann nämlich nicht mit
absoluter Genauigkeit erfüllt werden. Es wird deshalb bei der Aus-
prägung eine Fehlergrenze, ‚Toleranz‘ oder ‚„„Remedium“‘ für die ein-
zelne Münze von 2°/ in bezug auf Feinheit und 2%, °/,, in bezug auf
Gewicht zugelassen. Diese Fehlergrenze gilt nur für die einzelne Münze,
für die gesamte Prägemasse wird eine „vollständige Genauigkeit‘ er-
fordert. Das Passiergewicht liegt 5°/,, unter dem Normalgewicht. Will
man also Gold aus den zirkulierenden Goldmünzen erhalten, muß man
mit einer gewissen durchschnittlichen Unterwertigkeit derselben rechnen.
Diese Unterwertigkeit kann vielleicht etwa 2 bis 3% 9 betragen. Die
obere Grenze des Goldpreises liegt also etwa 2 bis 3 °/,, über dem Normal-
preis von 2790 Mark.
” Die untere Grenze des Goldpreises wird von den Prägekosten be-
stimmt. In Deutschland wurde eine Prägegebühr von 6 Mark pro
Kilogramm erhoben, wozu ein gewisser Zinsverlust kam. Da aber die
Reichsbank verpflichtet war, alles ihr angebotene Gold zu 2784 Mark
für das Kilogramm zu kaufen, also zu dem Normalpreis mit Abzug
der Prägegebühr, so bezeichnete dieser Preis immer die untere Grenze
des Goldpreises. Der Goldpreis konnte also um den Normalpreis von
2790 Mark schwanken und zwar etwas mehr als 2°/,, nach unten und
etwa. 2 bis 3% % 09: nach-oben.
Ähnlich liegen die Verhältnisse bei anderen Goldwährungen. In
England war der Normalpreis des Goldes 77 sh. 10%, d. pro Unze Stan-
dardgold (1/,2 Feinheit). Die untere Grenze des Goldpreises war 77 sh.
9 d., zu welchem Preise die Bank von England verpflichtet war, jederzeit
Gold zu kaufen. Die obere Grenze des Goldpreises durfte unter gewöhn-
lichen Verhältnissen vielleicht auf 78 sh. gesetzt werden können, obwohl
vereinzelt auch‘ höhere. Preise bezahlt wurden. Diese Grenzen ent-
sprechen Abweichungen vom Normalpreise um etwa anderthalb pro
Mille nach oben und nach unten.
Man könnte sagen, daß eine ideale Goldwährung einen absolut
festen Goldpreis erfordert. Eine solche Stabilität ist aber praktisch
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