: Kap. X. Die Bankzahlungsmittel.
zur Kapitalanlage oder Konsum des einzelnen, oder in der laufenden
Geschäftsführung eines Unternehmens.
Die Entwicklung zeigt aber eine fortschreitende Verminderung
auch dieses Geldbedarfs im Verhältnis zur Gesamtmenge der Zahlungen.
Es macht sich mehr und mehr das Bestreben geltend, die Kassen-
vorräte, die doch ebenfalls Kapital repräsentieren, wenn irgend möglich
nutzbar zu machen. Dieses Bestreben kommt zum Vorschein in einer
Einschränkung des Geldgebrauchs der einzelnen, in einer fortschreiten-
den Verminderung des volkswirtschaftlichen Geldbedarfs. In dieser
Entwicklung lassen sich vier Stufen unterscheiden.
Die erste Stufe ist die Zentralisierung der Kassen mehrerer
Wirtschaften in einer Bank. Der einzelne vertraut der Bank seine Kasse
an, um je nach Bedarf Geld aus der Bank zu nehmen. Diese Kassen-
zentralisierung bedeutet schon an sich eine erhebliche Ersparung an
barem Geld. Denn, obwohl die Mittel der Natur des Geschäftes nach
auf Sicht rückzahlbar sind, braucht die Bank nicht eine so große Kasse
wie der Summe aller ihr anvertrauten privaten Kassen entsprechen
würde. Die einzelnen Deponenten werden nämlich nicht alle auf einmal
ihr Geld zurückfordern. Der eine hat eine Zahlung heute, der andere
morgen. Es wird also eine längere Zeit dauern, bevor eine Summe,
die der Gesamtsumme der Guthaben gleich kommt, zurückgezahlt wird.
In der Zwischenzeit wird unter normalen Verhältnissen der Bank auch
wieder neues Geld zugeführt. Wenn eine große Zahl von Deponenten
vorhanden ist, werden sich die Einzahlungen und Auszahlungen für
jeden Tag zum großen Teil ausgleichen. Die Bank benötigt dann ihre
Kasse nur für einen etwaigen Überschuß der Auszahlungen. Je gleich-
mäßiger sich die Auszahlungen und Einzahlungen verteilen, je kleiner
kann die durchschnittliche Höhe der Kasse der Bank sein im Verhält-
nis zu den Guthaben des Publikums. Immerhin muß die Bank jederzeit
auf größere Rückforderungen als die gewöhnlichen bereit sein, und darf
also unter normalen Verhältnissen ihre Kasse nie unter eine gewisse
Grenze sinken lassen. Wenn aber die Bankkasse kleiner sein kann
als die Summe der bei ihr angelegten Einzelkassen, so erwächst daraus
für die Bank die Möglichkeit, über einen Teil der ihr anvertrauten Mittel
zu verfügen und sie in zinstragenden Geschäften anzulegen. Die Bank
wird in dieser Weise aus dem Geschäft einen Gewinn machen können
und wird sich also bemühen, möglichst viel Kassenmittel heranzuziehen,
Zu diesem Zwecke wird sie eventuell die Mittel verzinsen, natürlich zu
einem relativ niedrigen Zinsfuße. Die Bequemlichkeit und Sicherheit,
die die Kassenhaltung bei einer Bank bietet, ist aber oft ein genügendes
Mittel zur Heranziehung von Deponenten. Die Zusammenführung
der Einzelkassen in den Banken liegt also im gemeinschaftlichen Inter-
esse der Banken und des Publikums.
e Der Geldvorrat der Volkswirtschaft verteilt sich infolge dieser Ent-
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