$ 44. Die Zentralisierung der Kassenhaltung in den Banken. 369
Die vierte Stufe bildet die Zentralisierung der Kassenhaltung
der Banken in einer Zentralbank. Die Banken behalten natürlich da-
bei eine passende Kasse für den täglichen Bedarf. Was sie darüber
hinaus der Sicherheit halber als Reservekasse brauchen, wird bei der
Zentralbank als Giroguthaben angelegt.
Für den Clearingverkehr bedeutet dies zunächst, daß Differenzen
durch Umschreibungen auf die Giroguthaben gezahlt werden können.
Damit ist man also soweit gekommen, daß die Scheckzahlungen
zwischen den Inhabern von Depositenkonten vollständig ohne Benutzung
von Bargeld abgewickelt werden und daß für diesen Zweck keine Bar-
kassen gehalten zu werden brauchen.
Immerhin haben die Banken, um ihre Depositen jederzeit in Bar
einlösen zu können, gewisse Kassenreserven nötig. Das teilweise Zu-
sammenführen dieser Kassenreserven in einer Zentralbank bewirkt in
derselben Weise wie das entsprechende Zusammenführen der Kassen
der einzelnen Wirtschaften in den Banken eine Ersparnis im gesamten
Kassenbedarf, Diese Ersparnis dürfte jedoch relativ kleiner sein. Denn
der Kassenbedarf der verschiedenen Banken unterliegt meistens den-
selben Einflüssen der Jahreszeiten und der Konjunkturen. Die Geld-
ansprüche der Banken treten also in großem Umfange zu gleicher Zeit
hervor, und die Zentralbank wird insofern die Summe dieser Ansprüche
unverkürzt befriedigen müssen. Die zeitliche Ausgleichung der Geld-
bedürfnisse einer Anzahl von Banken wird sich wahrscheinlich selten
so weit erstrecken wie die entsprechende Ausgleichung der Geldbedürf-
nisse einer weit größeren Anzahl von Bankkunden, die die verschieden-
sten Berufe vertreten und in sehr verschiedenen wirtschaftlichen Ver-
hältnissen stehen. Die Zentralbank ist deshalb gezwungen, gegen ihre
Giroverpflichtungen eine relativ große Kasse zu halten, und kann nur
einen verhältnismäßig kleinen Teil ihrer Depositenmittel in zinstragen-
den Geschäften anlegen. Selbstverständlich werden die Giroguthaben
bei der Zentralbank nicht verzinst.
Die hier geschilderte Entwicklung hat für die Versorgung der
Volkswirtschaft mit Zahlungsmitteln die allergrößte Bedeutung erlangt.
Dadurch, daß über die Guthaben mittels Schecks verfügt werden kann,
und also Zahlungen ohne Benutzung von Bargeld bewerkstelligt werden
können, bekommen die Depositen den Charakter von selbständigen, das
Geld ersetzenden Zahlungsmitteln. Diesen Charakter haben die Depo-
siten allerdings nur in dem Maße, wie sie die gegen sie gehaltene Bar-
deckung überschreiten, denn der Rest der Depositen vertritt nur das in
der Reserve angesammelte Geld. Die Hauptsache ist aber, daß durch
den Gebrauch von Schecks gewisse auf Sicht zahlbare Geldforderungen
als Zahlungsmittel an die Seite des Geldes gestellt werden und mit dem
Geld in Wettbewerb treten, dadurch die Knappheit des Geldes ver-
ringernd. >
Cassel, Theoret. Sozialökonomie. 4. Aufl.
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