Full text: Theoretische Sozialökonomie

& Kap. I. Die Wirtschaft im allgemeinen. 
und Stahlprodükte auf allen möglichen Stadien ihrer Vollendung. Der 
Produktionsprozeß kann hier unter stabilen Verhältnissen so vollständig 
gleichmäßig verlaufen, daß Veränderungen seines Inhalts, wenigstens 
wenn ein größeres Industriegebiet überblickt wird, praktisch nicht ins 
Gewicht fallen. Nicht so in der Landwirtschaft. Da ist die ganze Pro- 
duktion von den Jahreszeiten so abhängig, daß sie meistens nur einmal 
im Jahre wieder begonnen wird. Die Gütermenge, die sich im Pro- 
duktionsprozesse befindet, ändert also im Laufe des Jahres ihre Zu- 
sammensetzung. Überblickt man aber eine längere Periode, kann man 
von den wechselnden Phasen des Produktionsprozesses und damit von 
den Schwankungen der ‘Zusammensetzung der Produktmenge absehen 
und die Aufmerksamkeit auf die Produktion als einen fortlaufenden, 
vielleicht unveränderlichen, vielleicht Veränderungen in bezug auf Um- 
fang und Methoden unterworfenen Prozeß konzentrieren. In noch 
höherem Grade verschwinden die verschiedenen Phasen der landwirt- 
schaftlichen Produktion, wenn man die gesamte Weltproduktion, z. B. 
von Weizen, in Betracht zieht. Weizen wird nunmehr in so verschiedenen 
Zonen der nördlichen und südlichen Halbkugel gebaut, daß die ungleich- 
mäßige Verteilung der Ernten über das Jahr, obwohl natürlich nicht 
ganz überwunden, jedoch ziemlich weit ausgeglichen worden ist. Diese 
Ausgleichung wird in den folgenden Veredlungsstufen des Weizens fort- 
gesetzt. Der europäische Weizenbedarf wird durch einen praktisch 
kontinuierlichen Strom von Weizenladungen von überseeischen Ländern 
das ganze Jahr hindurch mit ziemlicher Gleichförmigkeit befriedigt. In 
der Versorgung der Konsumenten mit Weizenbrot ist die Kontinuität 
vollständig. Die durch den Wechsel der Jahreszeiten bedingten wechseln- 
den Phasen des wirtschaftlichen Produktionsprozesses sind selbstver- 
ständlich von der Wirtschaftswissenschaft, wenn sie zu den Einzelheiten 
gelangt, mit zu berücksichtigen und auf ihre Wirkungen zu prüfen, 
Wenn man aber um einen ersten Überblick über die Wesentlichkeiten 
der Wirtschaft zu gewinnen, eine durch Abstraktion.hinreichend ver- 
einfachte und gleichzeitig das innerste Wesen der wirtschaftlichen Vor- 
gänge möglichst treu widerspiegelnde Wirtschaft der Untersuchung zu- 
grundelegen will, dann läßt sich kaum bezweifeln, daß der kontinuierliche 
Produktionsprozeß, wie er hier charakterisiert ist, die richtige Ab- 
straktion ist. 
Dieser Produktionsprozeß ist aber noch in,seiner der Wirklichkeit 
entsprechenden Allgemeinheit ziemlich kompliziert. Für die Wissen- 
schaft ist es angemessen, zunächst zwei vereinfachte Fälle, die für eine 
wahre Auffassung wesentlicher wirtschaftlicher Tatsachen und Vor- 
gänge besonders wichtig sind, zum Gegenstand einer eingehenderen 
Untersuchung zu machen. Diese Fälle sind erstens der Fall des statio- 
nären Produktionsprozesses, zweitens der Fall des gleichmäßig wach- 
senden Produktionsprozesses. Das Studium des ersten Falles wird 
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