Full text : Theoretische Sozialökonomie

$ 4. Der fortdauernde Produktionsprozeß. A
lediglich durch das Zwischenglied der Gefühle der jetzt lebenden
Menschen und kommen natürlich bei einer Untersuchung der Möglichkeit,
 die Bedürfnisse durch Produktion zu befriedigen, überhaupt nicht
in Betracht.
Wir stoßen hier auf das allgemeine und für jede wirtschaftliche
Betrachtung grundlegende Prinzip, welches schon in unserer Begriffsbestimmung
 der Wirtschaft liegt, und dessen Bedeutung in unseren
folgenden Untersuchungen immer wieder hervortreten wird, daß die
Wirtschaft wesentlich eine auf die Zukunft gerichtete Tätigkeit ist, für
welche die Vergangenheit rationellerweise keine Rolle spielt. Wie ein
materielles Gut, das jetzt existiert, entstanden ist, ist also, schon dieser
unserer allgemeinen Auffassung des Wesens der Wirtschaft zufolge,
prinzipiell gleichgültig. Diese Beobachtung zeigt noch einmal, wie vollständig
 unfruchtbar die bisher vorherrschende Betrachtung der Produktion
 mit ihrer Analyse der technischen Entstehungsgeschichte der
Güter für die Wirtschaftswissenschaft sein muß.
Im wirklichen Leben ist die Produktion ein immer fortdauernder
Prozeß, der in seinen einzelnen Teilprozessen immer abgeschlossen und
immer wieder von neuem begonnen wird, der also nach einer gewissen
Zeit wesentlich dasselbe Bild wie jetzt zeigt, sofern nicht der Umfang
des Prozesses zugenommen, oder der Prozeß durch Veränderung der
Produktionsmethoden Wandlungen erfahren hat. Der gesamte Produktionsprozeß
 teilt mit anderen Worten nicht die Bewegung des Materials,
 welches bei der Produktion auf immer höhere Stufen der Veredlung
 hinaufsteigt, bis es schließlich als fertiges Gut aus dem Produktionsprozeß
 scheidet. Der Produktionsprozeß hat nicht in dem Sinne
wie die Veredlungsgeschichte des konkreten Stücks Materie einen
Anfang und ein Ende, sondern kann bei einer immer fortlaufenden
Güterproduktion selbst unverändert bleiben. In einem solchen Produktionsprozeß
 findet man in einem gegebenen Augenblick ein=Gut- auf
allen seinen verschiedenen Veredlungsstufen vertreten. Der Rohstoff,
das Halbfabrikat, das fertige Produkt sind auf einmal nebeneinander
vorhanden, und zwar in solchen Mengen, daß die Produktion fortgesetzt
werden kann, wenn auch vielleicht in etwas wechselndem Umfang. Die
Zusammensetzung dieser Gütermenge erfährt durch die Produktion eine
Veränderung nur insofern, wie der Produktionsprozeß selbst verändert
wird.
Freilich gibt es in der Wirklichkeit auch Ungleichmäßigkeiten des
fortlaufenden Produktionsprozesses. Für die eigentliche Industrie, z. B.
die Eisenindustrie, trifft wohl das hier gegebene Bild des Produktionsprozesses
 zu. Neues Eisenerz und neue Kohle werden täglich und
stündlich aus den Fundstätten der Natur gefördert, Roheisen wird
gleichzeitig in einem stetigen Strom hergestellt und in Stahl umgewandelt,
 und zu derselben Zeit befinden sich die verschiedenen Eisen-2]


            
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