Full text: Theoretische Sozialökonomie

. Kap. X. Die Bankzahlungsmittel. 
weist... Erstens wächst nämlich der Zahlungsmittelbedarf zu gewissen 
Jahreszeiten über seinen normalen Betrag. So sind bei jedem Quartals- 
wechsel große Summen fällig. Mieten, Gehälter, Zinsen aller Art wer- 
den dann in großem Umfange bezahlt. Mittel für diese Zahlungen 
müssen einige Tage vorher bereit gehalten werden, und es dauert auch 
einige Tage über den Quartalswechsel hinaus, bevor der Zahlungsmittel- 
bedarf wieder auf sein normales Maß zurückgeführt ist. In kleinerem 
Umfange macht sich eine derartige zufällige Steigerung des Zahlungs- 
mittelbedarfs am ultimo jedes Monats fühlbar, wobei in einigen Ländern 
besonders die Zahlungen an der Fondsbörse in Betracht kommen. Der 
Herbst erfordert zur Zahlung der Ernte große Geldsummen, ebenso die 
Weihnachtseinkäufe und. der zu gewissen Jahreszeiten besonders leb- 
hafte Reiseverkehr. Zweitens wird der Bedarf an Zahlungsmitteln 
durch die Konjunkturen beeinflußt: bei einem allgemeinen Aufschwung 
tritt eine Steigerung des ganzen volkswirtschaftlichen Umsatzes ein, 
infolgedessen wird der Zahlungsmittelbedarf oft ganz bedeutend ge- 
steigert. Eine solche Steigerung findet schließlich auch in Krisenzeiten 
statt: infolge der Absatzstockung fließen erwartete Geldeinkünfte nicht 
oder nicht zur rechten Zeit ein, wobei jedoch für unerwartete Ausgaben, 
z. B. für Einlösung protestierter Wechsel, Mittel bereit gehalten werden 
müssen. Jedermann wird unter solchen Umständen seine Kasse nach 
Kräften zu stärken suchen. Es entsteht in dieser Weise in Krisenzeiten ein 
extraordinärer Bedarf an Zahlungsmitteln, ein Bedarf, der sich ins 
Enorme steigern kann, wenn befürchtet wird, daß die Banken bald 
weitere: Vorschüsse verweigern werden. 
Bei allen solchen Schwankungen des Zahlungsmittelbedarfs ist es 
ein großer Vorteil, daß die Depositen durch neue Vorschüsse leicht 
vermehrt werden können und somit ein sehr elastisches Zahlungsmittel 
darstellen. Es ist weder möglich noch‘ wünschenswert, durch die Vor- 
schußbedingungen der Banken die Zahlungsmittelversorgung so streng 
zu regulieren, daß den selbständigen Veränderungen des Zahlungs- 
mittelbedarfs kein Raum gelassen wird. Wenn aber bei gegebenen Vor- 
schußbedingungen eine Vermehrung ‘der Depositen stattfindet, folgt 
damit auch im allgemeinen eine entsprechende, obwohl vielleicht nicht 
ganz proportionelle Steigerung des Bedarfs an zirkulierendem Geld, 
Für diesen Bedarf müssen dann die Bankreserven das nötige Material 
abliefern. 
Es muß also in der Volkswirtschaft ein Reservoir von Bargeld vor- 
handen sein, aus dem der Verkehr seinen zufälligen Extra-Bedarf 
an’ zirkulierendem Geld decken kann, und in das dieses‘ Geld bei 
sinkendem Bedarf wieder zurückfließt. Diese Aufgabe wird von der 
Gesamtreserve der Banken erfüllt. Zu diesem Zweck ist unter normalen 
Verhältnissen für die Reserve eine Mindesthöhe erforderlich, die sich 
nachdem Betrag bestimmt, mit welchem der maximale Bedarf des Ver- 
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