Kap. X.. Die Bankzahlungsmittel,
haben einen „Zwangskurs‘‘, Solche Banknoten stellen nicht länger
Geldforderungen dar, sondern sind selbst Geld, wobei jedoch beachtet
werden muß, daß, ‚solange eine Wiederaufnahme der Barzahlungen in
Aussicht steht, die Noten gewissermaßen einen latenten Charakter als
Geldforderungen bewahren.
Der Umstand, daß einlösbare Banknoten lediglich Geldforderungen
und kein Geld sind, vermindert erfahrungsgemäß nicht die praktische
Verwendbarkeit als zirkulierendes Zahlungsmittel der mit gesetzlicher
Zahlungskraft ausgerüsteten Noten der Zentralbanken. Die Erfahrung
zeigt, daß die Noten wegen ihrer Bequemlichkeit sogar vom Publikum
vorgezogen werden und deshalb auch als Zahlungsmittel das bare Geld
verdrängen. Wenn man eine solche Verdrängung als unerwünscht betrachtet
hat, hat man den Nennwert der Noten nach unten beschränken
müssen. So durfte die Bank von England vor dem Kriege Noten unter
fünf Pfund Sterling nicht ausgeben, und Goldmünzen waren deshalb
allgemein in Zirkulation. Der deutschen Reichsbank, die früher keine
Noten unter dem Nennwert von hundert Mark ausgeben durfte, hat man
1906 das Recht verliehen, auch Noten zu fünfzig und zwanzig Mark
auszugeben, um es damit der Bank zu ermöglichen, eine dieser Notenausgabe
entsprechende Goldmenge an sich zu ziehen, oder wenigstens
einen steigenden Bedarf an zirkulierendem Geld zum Teil mit diesen
Noten zu befriedigen. In Schweden, wo Reichsbanknoten bis zu fünf
Kronen (etwa Goldmark 5,62) herab ausgegeben werden, zirkuliert
überhaupt kein Gold, sondern der ganze Goldvorrat sammelt sich in
der Reichsbank.
Die Banknoten erfüllen also den Bedarf an Kassenvorräten ebensogut
wie das bare Geld. In dieser Beziehung ist die Wirkung der
Banknoten etwas verschieden von der Wirkung der Depositen. Die
Depositen ersetzen zu einem gewissen Teile die private‘ Kassenhaltung.
Die Banknoten ersetzen in der privaten Kasse, die noch nötig ist, das
bare Geld. Die Banknote ist demnach geeignet, den Geldbedarf, der
nach Ausbildung des Scheckverkehrs noch übrigbleibt, wenigstens SOweit
es Zahlungen von etwas größeren Beträgen gilt, zu befriedigen.
Wieweit die Banknoten das Bargeld verdrängen, hängt, wie gesagt,
wesentlich davon ab, in welchen Abschnitten sie ausgegeben werden
dürfen. Wenn Noten bis zum Betrage der kleinsten Goldmünzen in
hinreichender Menge ausgegeben werden, kann die ganze Kurantgeldzirkulation
durch Noten ersetzt werden, so daß schließlich 'neben den
Noten nur Scheidemünzen zirkulieren.
Besonders bedeutungsvoll ist diese Ersetzbarkeit des Geldes durch
Banknoten, wenn es gilt, den Schwankungen der Ansprüche der Zirkulation
entgegenzukommen. Nach dem vorigen Paragraphen wendet sich
einsteigender Bedarf an zirkulierendem Geld an die Reserven der Banken,
in letzter Linie an die Zentralbank. Dieser Bedarf kann, wenigstens
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