S Kap. X. Die Bankzahlungsmittel.
mittelbedarf. Die Gesamtmasse des beweglichen Realkapitals ist noch
größer, könnte also einem noch größeren Wechselumlauf zur Unterlage
dienen. Der Gesamtwert der lombardfähigen Wertpapiere ist natürlich
noch um ein Vielfaches größer als der Wechselumlauf. Der jeweilige
Umlauf von Bankzahlungsmitteln entspricht also nur einem kleinen Teil
der Sicherheiten, die zur Ausgabe von Bankzahlungsmitteln verwendet
werden können. Die große Hauptmasse dieser Sicherheiten ist immer
vom Sparkapital der Volkswirtschaft übernommen; mit anderen Worten,
die Hauptmasse der Kapitaldisposition, die zum Übernehmen des Real-
kapitals nötig ist, wird vom Sparkapital geliefert. Nur ein kleiner Teil
dieses Bedarfs an Kapitaldisposition kann von den Banken durch Aus-
gabe von Bankzahlungsmitteln befriedigt werden. Die Größe dieses
Teiles wird aber immer vom Zinsfuß, den die Banken für ihre Vor-
schüsse fordern, und vom Verhältnis dieses Zinsfußes zum Zinsfuß des
volkswirtschaftlichen Kapitalmarkts abhängen. Für eine hinreichende
Beschränkung der Bankzahlungsmittel bedarf es also außer den bereits
behandelten Bedingungen noch einer richtigen Regulierung des Zins-
fußes, gegen den Bankzahlungsmittel durch Diskontierungen oder
Darlehen dem Verkehr zur Verfügung gestellt werden.
Wir haben früher ($ 8) gesehen, daß das Geldeinkommen der
Tauschwirtschaft notwendig zum Kauf des Realeinkommens derselben
gebraucht wird. Dieser Schluß beruht auf der Voraussetzung, daß
der einzelne sein ganzes Einkommen in der Einkommensperiode ver-
ausgaben muß (S. 47). Die Einsicht, die wir nunmehr in die Natur
der Bankzahlungsmittel besitzen, gestattet uns, vollständige Klarheit
über dieses Verhältnis zu gewinnen. Das Geldeinkommen des einzelnen
wird entweder in Form von Geld oder von Bankzahlungsmitteln be-
zogen. Ein unbenutztes Geldeinkommen würde also entweder in der
Form einer Vermehrung des Geldvorrats des einzelnen oder in der
Form einer Vergrößerung seines Besitzes von Bankzahlungsmitteln
zutage treten. Betrachten wir zunächst den ersten Fall. Gewiß kann
der einzelne seinen Geldvorrat in der betrachteten Periode vermehrt
haben. Bei unveränderter Geldversorgung der Gesellschaft müssen
aber dann andere Haushaltungen ihre Geldvorräte entsprechend ver-
mindert haben. Was der eine weniger als sein Einkommen verausgabt
hat, müssen dann die anderen mehr als ihr Einkommen verausgabt
haben. Bei der Summierung aller Einkommen müssen sich diese Ab-
weichungen gegenseitig aufheben, und das gesamte Geldeinkommen
der Gesellschaft muß also vollständig zum Kauf des Realeinkommens
verwendet werden. In einer gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft,
wo sowohl die Preise wie der relative Geldbedarf unverändert bleiben,
muß der gesamte Geldvorrat mit dem allgemeinen Fortschrittsprozent
wachsen. Die jährliche Vermehrung des Geldvorrats wird dann von
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